05/07/2025
Rede zur Einweihung des Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach
(Zum Teil aus unserer Retrospektive „30 Jahre Jäcklein Architekten“)
Beständigkeit für das Leben lernen
Bauen für eine Abtei
Lieber Abt Michael, lieber Pater Christoph, lieber Bruder Jeremia, lieber Herr Binzenhöfer,
sehr geehrte Damen und Herren,
Wir haben letztes Wochenende das 30Jährige Jubiläum von Jäcklein Architekten gefeiert.
Die Abtei ist einer unser ältesten und wichtigsten Bauherren.
Unser erstes Projekt für die Abtei war 1997.
Seitdem durften wir einige Planungen für die Abtei erstellen.
Das größte Projekt war bisher das Egbert Gymnasium.
Die Mönche hatten ihre Schule in den 1960-Jahren unter Mithilfe von Besatzungssoldaten und Schülern noch mit eigenen Händen gebaut. Sie hatten Steine und Mörtel geschleppt, Eisen gebunden, Holz gezimmert, Leitungen und Rohre verlegt, die Heizung eingebaut. Und Bruder Balduin hatte als gestrenger Bauleiter die Arbeiten organisiert. Bruder Balduin hat auch noch die Anfänge der Planung des EGM mitbekommen und mir einige gute Ratschläge zur Baukonstruktion und Statik gegeben bevor er 2016 gestorben ist. Bruder Edmar der Meister der Spenglerei, war sogar noch bei den Baustellenbegehungen im 1. Bauabschnitt dabei.
Allein schon wegen der Wertschätzung für die Leistung früherer Mönchsgenerationen kam ein Abriss und Neubau nicht in Frage.
Bis vor kurzem wurden die Elektrowerkstatt, die Spenglerei und die Tünchnerei noch von Brüdern geleitet. Für die Baustelle am Egbert-Gymnasium, an der mehr als 500 Handwerker beteiligt waren, standen auch die Handwerksbetriebe des Klosters – Tünchnerei, Spenglerei, Schreinerei, Metallwerkstätte, Elektrowerkstatt als „Taskforce“ zur Verfügung. Die Leitung hatte das Baubüro der Abtei mit Bruder Jan Nepomuk.
Natürlich besuchten die Mönche die Baustelle regelmäßig und ließen sich über den Fortschritt informieren. Bei diesen Gelegenheiten erzählten die Älteren, die die Schule damals mitaufgebaut hatten, gern von damals.
Entscheidungsprozesse in einem Kloster verlaufen anders als bei öffentlichen Bauherren wie Städten oder Landkreisen. Grundsätzliche und weittragende Entscheidungen werden im Konvent getroffen. Ansonsten verfügen Abt und Cellerar über relativ weitreichende Entscheidungskompetenzen.
Versteht sich also, dass wir es als Architekten, bei der Abtei Münsterschwarzach mit einer selbstbewussten und kompetenten Bauherrin zu tun hatten.
Der Auftakt für die Generalsanierung des Münsterschwarzacher Egbert-Gymnasiums war 2011 ein Anruf von Pater Anselm: „Er meinte, komm bitte in die Abtei, Reinhold, wir müssen die Schule umbauen.“
Sieben Gebäude mit den dazugehörigen Freianlagen waren schließlich nach intensiven Gebäudeaufnahmen, Voruntersuchungen, Abwägungen des Bauherrn und Vorplanungen umzubauen und neu zu ordnen.
Bei der Generalsanierung mussten Räume für einen neuen Ausbildungszweig der Schule, dem naturwissenschaftlichen Zweig in die vorhandenen Schulbauten integriert werden.
Die Planung sah vier zeitlich aufeinanderfolgende Bauabschnitte vor. Damit konnte letztlich eine kostspielige Auslagerung der Schule in Container während der Bauzeit vermieden werden. Die Bauzeit verlängerte sich durch diese Maßnahme und die Baudurchführung wurde komplexer, denn es waren vielerlei Interimsmaßnahmen erforderlich, um den Schulbetrieb aufrechterhalten zu können.
Der Zustand der Gebäude rührte überwiegend noch original aus der Bauzeit in den 1960er-Jahren her. Das Raumprogramm erforderte eine grundlegende Neuordnung, insbesondere der Klassen- und Fachräume sowie der Aufenthaltsbereiche. Die energetische Aufwertung aller Bestandgebäude war zu leisten samt Erneuerung der Gebäudetechnik und die Erfüllung heutiger Anforderungen an Barrierefreiheit, Brandschutz, Sicherheit und Akustik.
Eingang, Klassen- und Kunsträume
Die Schule erhielt einen neuen, barrierefreien Haupteingang. Durch breite Fensterfronten zu beiden Seiten des Foyers sind nun Aus- und Durchblicke von einem zum anderen Pausenhof möglich.
Im ersten Bauabschnitt wurde das größte Volumen der Gesamtmaßnahme umgebaut. Deshalb wurden die Schüler in dieser Zeit im ganzen Abteigelände verteilt. Von der ehemaligen Autowerkstatt bis zum Saal im Torhaus.
Die neuen Kunsträume im Bauteil D sogar über Freiterrassen. Diese Aufwertung der Kunsträume zeigt somit auch den hohen Stellenwert an, den man der Kunst in der Abtei immer schon zugemessen hat.
Die ursprünglich schlauchigen Klassen- und Fachräume im Gebäude D konnten durch einen Vorbau verbreitert werden. In den Obergeschossen dieses dreispännigen Gebäudetraktes befinden sich überwiegend Unterrichtsräume.
Vor den Klassenzimmern wurden Balkone angeordnet, die als Mikro-Außenbereich für die Schüler fungieren. Die raumtiefen Fensterfronten weiten die Klassenräume auf. Mit großen Hebe-Schiebeflügeln ist eine sehr gute natürliche Lüftung der Klassen möglich.
Die Klassenräume verfügen über zwischengeschaltete Projekt- und Seminarräumen. Dadurch werden neue Unterrichtsformen möglich
Die Flure wurden mit Vitrinen für Kunst und Sitznischen aus geweißeltem Eschenholz ausgestattet.
Darüber hinaus befinden sich im Bau D Räume für die Ganztagesschule. Die Ganztagesbeschulung für Kinder und Jugendliche ist keine Erfindung moderner Bildungssysteme und -einrichtungen. In den Klosterschulen gab es bereits seit Jahrhunderte Ganztagsbeschulung, die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten Bildung ermöglichte.
Mensa und Ausgabeküche
Der große Speisesaal mit der Ausgabeküche wurde umgebaut und erneuert. Im zweiten Obergeschoss über der Küche sind nun Musikübungsräume eingerichtet.
Theater:
Einer der schönsten und effektivsten Freiräume für experimentelles, schöpferisches oder exploratives Leben und Erleben ist auch in einer mediengesättigten Welt noch immer das Theater. Am Egbert-Gymnasium weiß man das. Entsprechend dankbar ist die Schule der Abtei als Bauherr, dass das Theater trotz großer finanzieller Belastung gehalten werden konnte.
Der gesamte Innenraum samt Bühnentechnik wurde überarbeitet. Die Raumakustik wurde durch eine flachmodellierte grüne Holzvertäfelung verbessert. Die Bühne bietet eine Plattform im Egbert-Gymnasium, die dazu ermuntern, sich selbst gemeinsam mit anderen zu erproben, auszutesten und sich zu zeigen.
Das Theater dient auch als Konzertsaal, für Symposien der Abtei und als Diskussionsplattform für Politiker aller Couleur mit den Schülern des EGM
Fachräume für die Naturwissenschaften
In dem Bau A befinden sich nun die Fachräume für Naturwissenschaft.
Der Bau A, wurde in den 1950er-Jahren als Mönchsoratorium also eine Gebets und Kirchenraum errichtet. Es grenzt mit seiner westlichen Außenwand unmittelbar an die mächtige Abteikirche. Er wurde schon in den 1970er-Jahren für eine schulische Nutzung umgewidmet.
Die ursprünglich divergente Fassadengestalt im Außenbereich wurde durch die Schaffung von einheitlichen Fensterformaten geordnet. Zur Sicherstellung des baulichen Brandschutzes und der Barrierefreiheit wurde ein außenliegender Fluchttreppenturm errichtet und ein neuer Personenaufzug in das Gebäude integriert.
Kunst am Bau
Auch die bereits aus der Bauzeit stammenden Kunstwerke konnten wir erhalten.
Die Steinquader in der Fassade von Bau A mit der Darstellung biblischer Szenen wurden restauriert und in die neue Fassade integriert.
Ebenso wurden die Glasmalereien von Pater Polykarp im früheren Eingangsfoyer und im Treppenhaus vom Bau D restauriert und energetisch ertüchtigt.
Wir arbeiten regelmäßig mit Künstlern bei unsern Projekten zusammen. Die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Architekten führt zu einer höheren Qualität. Mit Matthias Braun haben wir schon viele Projekt gemeinsam geplant. In den Fluren jedes Stockwerks im Bauteil A hat er zusammen mit Juhani Karanka Installationen konzipiert. Diese Einbauten beschäftigen sich mit Naturwissenschaftlichen Erfindungen und dienen auch als Sitzgelegenheiten für die Schülerinnen und Schüler.
Anziehende Hülle
Die einst heterogene Erscheinung der einzelnen Bauteile wurde durch einheitliche Putzoberflächen mit Besenstrich, neu geordnete Fenster und Glasfassaden zusammengeführt. Die Farbfassung der Fassade reagiert auf die Muschelkalkbruchsteinfassade der alles dominierenden Abteikirche.
Bei den Freianlagen wurde der vorhandene Baumbestand erhalten und ergänzt, zum Beispiel auf der „grünen Insel“, die den befestigten Pausenhof fasst und im „grünen Pausenhof“. Auch ein so genanntes grünes Klassenzimmer für den Unterricht im Freien wurde eingerichtet.
Spuren hinterlassen
Mit dem funktionalen und technischen Umbau sollte vor allem eine Schule gestaltet werden, die den Schülern und Lehrern einen zukunftsfähigen Lern- und Lebensraum bietet, in dem sie sich wohlfühlen, entwickeln und entfalten können. In der Planung nahmen wir Flächen für eine temporäre oder dauerhafte Gestaltung durch die Schüler auf. Diese Maßnahmen, etwa der „Dschungel“ im Bau A, wurden von der Kunsterzieherin Tanja Seger angeleitet. Einige Wände in den Projekträumen wurden für temporäre Kunst vorgesehen. Zeichnungen und Grafiken können dort wieder abgewischt werden.
Die Schöpfung bewahren, damit in allem Gott verherrlicht werde
Das umfangreiche Raumprogramm für ein Gymnasium mit vier Zweigen – musisch, naturwissenschaftlich-technologisch, humanistisch und neusprachlich – konnte sogar unter Vermeidung von Abbruch oder Neubau kompletter Gebäude in den bestehenden Baukörpern umgesetzt werden. Rund 900 Schüler und Lehrkräfte sollten schließlich nach der Generalsanierung zukunftsfähige Arbeits- und Studierplätze vorfinden.
Durch den Erhalt des Bestandes wurde die graue Energie von ca. 5.800 Tonnen Mauerwerk, 15.000 Tonnen Stahlbeton und ca. 180 Kubikmeter Holz bewahrt und entsprechend Bauschutt vermieden. Das dient ganz im benediktinischen Sinne der Bewahrung der Schöpfung. Denn die Benediktiner gehen grundsätzlich sorgsam mit den Werken um, die die DNA der zahlreichen Mönchsgenerationen in sich tragen.
Die energetische Sanierung des Egbert-Gymnasiums ist Teil des Ökoprojektes der Abtei, das Pater Christoph schon vor ungefähr 15 Jahren angestoßen hat. Damit soll die gesamte Abtei CO2 neutral versorgt werden. Natürlich haben die großen Gebäude des Gymnasiums einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch der Abtei. Deshalb wurde die Schule in das Öko-Projekt integriert.
Die Wärmeerzeugung erfolgt mit einer zentralen Hackschnitzelheizung und mit Biogas. Die Gebäude haben nun eine sehr gute Wärmedämmung. Eine technische Lüftungsanlage für die Klassenräume wurde aus Kostengründen nicht eingebaut. Aber dank der großen Fenster, die sich öffnen lassen, können die Räume auf natürliche Weise belüftet werden. Im Egbert-Gymnasium wird sogar ohne Technik die Nachtauskühlung genutzt. Früh vor dem Morgengebet öffnet ein Mönch der Abtei die Fenster der Schule, so kann die frische Morgenluft das Gebäude abkühlen.
Der Umbau des Gymnasiums war ein finanzieller Kraftakt für die Abtei, der ohne öffentliche Förderung durch Regierung und Diözese kaum möglich gewesen wäre.
Wir möchten uns hier herzlich bei den beteiligten Fachplanern, der Projektsteuerung Herrn Kraft und Herrn Amthor, den Handwerksbetrieben und last but not least bei den Handwerkern der Abtei bedanken.
Unserer besonderer Dank gilt der Schulleitung mit Herrn Binzenhöfer und Bruder Jeremia, dem Lehrerkollegium und vor allem Pater Christoph und dem Abt Michael für ihr Vertrauen und die gute Zusammenarbeit.
Bei Lehrern und Schülern bedanken wir uns für die Geduld während der langen Bauzeit....
Reinhold Jäcklein