12/05/2020
Sie kennen das sicherlich: Sie widersprechen irgendwo einer Person, die wirre Theorien verbreitet und schon schreibt diese zurück: SIE HABEN WOHL EIN PROBLEM MIT DER MEINUNGSFREIHEIT??!?!?
Es gibt Leute, die lassen sich von diesem Widerspruch einschüchtern. Weil sie ja selbst für die Meinungsfreiheit einstehen wollen, rechtfertigen sie sich dann, dass sie die Meinungsfreiheit des anderen nicht beschränken wollen.
Zack! Ihr Gegenüber hat es geschafft. Sie diskutieren nicht mehr über Ihren Widerspruch zu der wirren Theorie, sondern über die Meinungsfreiheit. Ihr Widerspruch wurde geblockt.
Diesen Trick wenden sehr viele Leute am gesellschaftlichen Rand an. Deshalb ist es wichtig, sich selbst immer wieder zu vergewissern, was genau die Meinungsfreiheit ist:
Sie besagt, dass ein jeder Mensch seine Meinung ungestraft vortragen kann.
In Deutschland ist sie insoweit seit der Gründung der Republik eingeschränkt, als dass Sie nicht einfach jemand anderen beleidigen dürfen, Sie dürfen keine Falschaussagen über andere verbreiten und Sie dürfen nicht das Menschheitsverbrechen des Holocaust durch die Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus leugnen.
Ansonsten können Sie öffentlich meinen, was Sie wollen.
Die Meinungsfreiheit meint ausdrücklich nicht, dass man nicht anderen Meinungen widersprechen darf. Natürlich schränken Sie die Freiheit der Meinung des anderen in keinster Weise ein, wenn Sie dieser Meinung widersprechen.
Die Meinungsfreiheit meint übrigens auch nicht, dass Sie in Ihrem Zuhause oder auf ihrem Facebookprofil jede Meinung stehenlassen müssen. Natürlich können Sie bei sich Zuhause jemanden rauswerfen, der ausländerfeindliche Parolen ausruft. Genauso können Sie die Kommentare solcher Leute löschen. Sie schränken damit die Meinungsfreiheit des Gegenübers in keinster Weise ein.
Denn: Die Freiheit der Meinung bezieht sich auf die Möglichkeit an öffentlichen Diskussionen teilzunehmen und dem Staat gegenüber und der Politik gegenüber die eigene Meinung ungestraft vertreten zu können.
Sprich, Sie dürfen sich auf die Straße stellen und Ihre Meinung dort verkünden. Sie dürfen Ihre Meinung auf Ihrem Facebook-Profil schreiben, aber Sie haben kein Anrecht darauf, Ihre Meinung in meinem Garten oder auf meiner Facebook-Seite vorzutragen.
Wer einen Gast mit unliebsamen Meinungen aus der eigenen Wohnung wirft, schränkt die Meinungsfreiheit des anderen nicht ein.
Demokratie lebt vom Widerstreit der Meinungen. Das bedeutet, dass man sich mit Lust und Eifer auch mit Meinungen auseinandersetzen sollte, die nicht der eigenen entsprechen. Man wird dadurch klüger. Allerdings muss eine Basis gewahrt sein: Beide Seiten müssen die Fakten akzeptieren und sich über die Auslegung der Fakten streiten. Wenn eine Person stets alle sachlichen Fakten verweigert zu akzeptieren, dann wird man durch dieses Gespräch nicht klüger, sondern nur genervter.
Wer also ein kluges Gespräch absichern will, sollte durchaus Leute bei sich vor die Tür setzen, die jeden Fakt leugnen.
Denn zur Zeit läuft es leider so: Auf jeder extremen Seite im Netz werden Sie sofort geblockt, wenn Sie sachlich widersprechen und die gleichen Leute fordern bei Ihnen ein, ihre kruden Thesen wegen der Meinungsfreiheit vortragen zu dürfen.
Das Ergebnis ist: Die kruden Thesen stehen unwidersprochen auf den extremen Seiten und bei Ihnen in den Kommentaren als Widerspruch zu sachlichen Thesen.
Das bedeutet, dass sie wesentlich häufiger verbreitet sind. Deshalb sollten Sie sehr genau überlegen, ob Sie jeden Quatsch bei sich auf Facebook stehen lassen wollen.
Sie brauchen keine Angst davor zu haben, Unfug zu löschen. Sie beschneiden damit nicht die Meinungsfreiheit des Gegenübers. Diese Person kann sich gerne noch immer auf die Straße stellen und dort ihre Thesen vortragen.
Meinungsfreiheit ist nämlich das Recht, seine Meinung in der Öffentlichkeit zu vertreten, aber es ergibt sich daraus kein Anspruch darauf, dass andere zuhören müssen.
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Ich freue mich immer, wenn meine Inhalte geteilt werden. Vielen Dank dafür!
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