01/04/2026
Demokratie, aber make it Schulhof
Im Stadtlabor Wittenberg haben Schülerinnen von der Grundschule bis zu den Abiturjahrgängen entschieden, welche Ideen aus einem Verfügungsfonds aus Bundes- und kommunalen Mitteln Realität werden – insgesamt 238.000 € für Projekte von und für die Stadtgesellschaft.
Das Besondere daran: keine Erwachsenen, keine vermeintlichen Expert*innen, keine Gremien – sondern diejenigen, die am längsten mit den Folgen der Entscheidungen leben werden, haben über die Verteilung der Gelder abgestimmt. Anders als bei Entscheidungen, die oft weit weg und über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden lag hier die Verantwortung für die eigene Zukunft direkt in den Händen der Kinder und Jugendlichen. In einem Experiment mit echter Mitbestimmung und gelebter Demokratie konnten sie kollektiv selbst über den Raum verfügen, in dem sie lernen, spielen, sich begegnen und groß werden.
Der Prozess: In einer Ideenzeitung wurden alle Projektvorschläge aufbereitet und samt Abstimmungsbögen an allen 17 Schulen Wittenbergs verteilt. Wir wurden von 35 Schulklassen eingeladen, um die Zeitung persönlich vorzustellen und verbrachten Zeit mit Jugendlichen, um über Themen wie Gemeinwohl, Demokratie, öffentlichen Raum und Stadtentwicklung zu sprechen. Diese Praxis bewährte sich und führte zu einer phänomenalen Wahlbeteiligung von rund 73%. Nach drei Wochen wurden die Stimmzettel wieder eingesammelt und die Sieger*innenprojekte ausgewählt. Dieser Prozess fand sowohl im Herbst 2024, als auch im Sommer 2025 statt – die insgesamt 16 ausgewählten Projekte wurden dann von ihren Einreicher*innen selbst umgesetzt.
Die Ideen kamen sowohl von Engagierten aus der Stadtgesellschaft – von Schüler*innen bis Rentner*innen – als auch von professionellen Stadtplaner*innen, Designer*innen und Architekt*innen. Gewählt wurden unter anderem Projekte wie grüne Innenstadtoasen, Rollrevolution mit FLINTA*-friendly Skate-Sessions, ein Backmobil, gemeinschaftsfördernde Initiativen wie das Stadtwohnzimmer und Interventionen wie das Spielfeld Stadt, bei dem der zweitgrößte Platz der Stadt selbst zum riesigen Brettspiel wurde.
📸 William Veder, Ole Blank, Greta Hientzsch, Endboss