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18/09/2017

Liebe Freunde: Lange ist es her aber ich hab wieder was!!

022: Die Ruhe der Toten

Sonntag: Heute ist einer der schönsten Tage des Jahres. Ich denke kaum an die mühselige Arbeit. Keiner meiner Mitarbeiter hat sich krank gemeldet. (Das ist Sonntags übrigens noch nie der Fall gewesen.) Ideale 27°C. Die Hühner sind versorgt, der Rasen schon seit gestern von meiner Frau gemäht. Ich entspanne auf unserer neuesten Errungenschaft, einer Rattansitzliegewelt aus der echten Bio-Rattanpflanze. Genau meine Länge. Ich liege im Schatten und nur meine Füße werden von der Sonne geküsst. Die Katze liegt neben an und verschläft eines ihrer sieben Leben. Vogelgezwitscher, Grillen zirpen und ein steter Windhauch verschafft die rechte Abkühlung. Einzig Froni hämmert wieder mit über hundert Sachen auf der Strasse vorbei. Sie fährt in ihrer Freizeit den Notarztwagen. Die Sirene ist reichlich laut. Entweder Einsatz oder das Essen wird kalt.
Ich habe mich entschieden! Hier könnt ihr mich beerdigen. Ich kenne da ja den ein oder anderen Bestattungsunternehmer, die kriegen das schon hin. Ich brauche nur dieses Stückchen Land.
Irgend ein Wikinger hatte mal von irgend einem König Land eingefordert. Der gab ihm das Stückchen Land, dass seiner Größe entsprach. Der Wikinger wurde erschlagen und beerdigt. Welch trister Gedanke. Bestes Wetter und ich denke an den Friedhof. Der Friedhof ist eigentlich ein gutes Stichwort.
Wir schreiben das Jahr neunzehnhundertsiebenundachtzig. (Ausgeschrieben sind das einunddreißig Buchstaben!) Ich bin acht Jahre alt. Mein neunter Geburtstag steht erst noch vor der Türe. Mein Opa hatte vor kurzer Zeit ein neues Gemüsebeet angelegt. Also war es für meine Oma an der Zeit den Salat zu pflanzen. Voll Vorfreude auf die zu erwartende Ernte wurde eine Pflanze nach der anderen in Reih und Glied gesteckt. Nach einer Weile durchschnitt die scharfe Stimme meiner Großmutter die ländliche Gelassenheit. Die Ausführung der imperialen Anrufung ihres Gatten verbittet nun die Anrede Oma. "Willi!" schrie sie, denn so war sein Name. Diese Silbe wurde in der ganzen Nachbarschaft vernommen. Das geschah übrigens öfters, denn mein Opa war ein Schlingel. Ein Gewittersturm an Verwünschungen und Beschimpfungen folgten dem Ruf. Ein Kanon absolut ernst zu nehmender Drohungen die hier nicht weiter erläutert werden sollen.
Als sich nun alle in Hörweite Anwesenden, von Neugierde getrieben, am Hof der Großeltern eingefunden hatten, fand man Oma im neuen Gemüsebeet. Die Hände zornig in die Seiten gestemmt und sichtlich wütend. Opa schob lediglich die leere Schubkarre von Dannen und grinste über das ganze Gesicht. Dieses tat er nur bei gelungenen Scherzen oder äußerst gelungenen Geschäften. Einer Mischung aus beidem entsprach der Grund der Oma zur Weißglut brachte.
Mein Opa war als Jäger und Sammler bekannt. Vornehmlich handelte es sich um Dinge die anderen zur Last fielen. Als tüchtiger Geschäftsmann verstand er es natürlich derlei Hab und Gut gegen eine geringe Entschädigung seines Aufwandes zu entsorgen und somit seine Geldbörse und sein Warenlager zu füllen. Man könnte meinen er hätte alte Erde abgeholt und dem selben Landwirt seine eigene Erde, frisch gesiebt wieder verkauft. Ehrenwerte Bauernschläue eben. Auch wussten einige noch nicht, dass sie von manchem Tant überdrüssig seien, wurden durch meinen Opa jedoch darauf hingewiesen und von der Last befreit. Am Ende des Tages waren alle recht zufrieden.
So kam es, dass er einen Freund ansprach, wie es sich mit einem Haufen Erde verhielte. Unschön sehe es aus und hinderlich sei er doch, da wo er lag. Da er eben solch einen Haufen aus Erde zu gebrauchen wüsste, könne er ihn ohne weitere Gebühr übernehmen und nach hause verbringen. Da der Freund die Erde zwar nicht sein Eigen nannte, jedoch für die Entsorgung selbiger zuständig war, schlug er gleich in das Geschäft ein und war froh sich viel Arbeit erspart zu haben. Das Geschäft wurde mit einem kräftigen Handschlag besiegelt. Dennoch wunderte er sich. Was mochte Willi wohl mit diesem besonderen Erdhaufen vorhaben? Mein Opa war recht pragmatisch und wurde weder von Pietät noch der gleichen geplagt. Also verbrachte er den Haufen aus tiefschwarzer Erde direkt nach hause und eröffnete ein neues Gemüsebeet.
Als sich nun meine Oma, bewaffnet mit Harke und Schaufel, daran machte das Gemüse zu setzen, fand sie eine Reihe heller Steine. Unachtsam warf sie diese zum Beetrand zusammen. Von Art und Farbe glichen diese Steine zwar dem Kalk, doch als Oma den Beifang entsorgen wollte, überkam sie eine grausige Gewissheit. "Willi!" rief sie, "wo ist die Erde her?" Das verschmitzte Grinsen meines Opas genügte ihr als Erklärung, denn sie wusste, dass der örtliche Friedhof einige alte Gräber neu ausgehoben hatte. Die Gemüseernte war übrigens eine der besten aller Zeiten!

Als ich so vor mich hinsinniere, sehe ich Fred, einen guten Freund des Hauses kommen. Ich habe mich entschieden mich einäschern zu lassen. Zum einen möchte ich dem einen den Schrecken fahler und bleicher Gebeine oder gar eines ganzen Kiefers im Gemüsebeet ersparen, zum anderen möchte ich den Hinterbliebenen nicht als zu wässernde Grundstücksfläche dienen, für die dann auch noch Gebühren fällig sind. Einäschern und wie bei The Big Lebowski verstreuen - fertig. (Vorher Organe spenden - wichtig!)
Fred machte sich vor etwas mehr als zwei Stunden auf um eben dieses zu tun. Nicht die Organe zu spenden sondern Gräber gießen. Als ich mich zu meiner letzten Ruhestätte, der Bio-Rattansitzliegewelt aufgemacht hatte, sind wir uns über den Weg gelaufen. Er habe wichtiges vor. Zu den Hienieden wolle er, zu den Ahnen, den Vorvätern, die Altvorderen ehren. Hin zum Friedensacker um das einzig rechte Tagwerk des Sonntags zu vollbringen. Die Gräber zu richten und zu gießen. So schritt er dahin. Andächtig und würdevoll. Da er seit vielen Jahren aus allen Kirchen der Menschheit ausgetreten war - durchaus eine respektvolle Eigenschaft.
Also kam er nun zurück. Und auf dem letzten Feld der Ruhe sowie auf dem Weg nach hause fällt kein Schatten. Ich hatte demnach Mühe seine Stirn, die seit langer Zeit unter fehlendem Haarwuchs litt, von unserer gläsernen, scharlachroten Rosenkugel zu unterscheiden. Ermattet setzte er sich zu mir in die Bio-Rattansitzliegewelt.
"Und, ruhig am Friedhof?" frage ich. Er schüttelt verwirrt den Kopf. Guter Dinge sei er noch aufgebrochen. Nichts ahnend und ehrenwert war sein Bestreben. Kein schöner Ding als seines Vaters letzte Ruhestatt zu pflegen. Anders als den jüngsten Tratsch der Friedhofsweiber zu hören. Könnten seines Vaters Augen sehen, dass er sich kümmert um sein Verbleibt. Schmerzlich war doch sein Verscheiden. So gibt er redlich einen stärkenden Trunk dem Gezier auf seinem kalten Bette. Und immerdar pflegt er doch den Saum der letzten Kammer. Kein ungewollt Grün soll kommen denn der prächt'gen Zierde die er gepflanzt.
Und so kam es, dass er zupft an Löwenzahn und Ackerwinde, an junger Vogelmiere und Purpurklee. Und er kniete nieder und machte die Erde gleich. Umringt ward er von den Friedhofsweibern und hörte deren lautes Getratsch. Dann gab er der Erde Wasser und freute sich über seiner Hände Arbeit. Doch als er die leere Wasserkanne wieder an den rechten Platze gab und als er selbst den letzten Blick zu seines Vaters Grab werfen wollt, da stand eine Blume nicht recht. Schräg lag sie in ihrem Beete. "Recht unrecht!" sagte er. Da begab er sich wieder auf die Knie und die Friedhofsweiber blickten zu ihm hin. Und als er eine Kuhle aushob, um die Blume zu richten, da regte sich etwas vor ihm im Boden. Die Friedhofsweiber verstummten als sich die Erde hob. Und als sich ein Hügel aufwarf da setzte er sich auf den Hosenboden. Pulsierend warf sich ein zweiter Hügel auf, ganz so als ob die Hände herauf wollten. Sodann flohen die Friedhofsweiber. Außer Stande sich zu rühren saß Fred vor seines Vaters Grab. Vor ihm die Erde die sich rührte. "Bleib drin!" rief er - da war Ruhe.
Als er den Spaten zu sich nahm hob die Erde sich aber erneut und brach auf. Gestört vom geschäftigen Treiben da oben und vom Wasser erregt trat er wieder unter das Antlitz der Sonne um zu sehen wer die dunkle Ruhe stören will.
Wir alle kennen ihn und ein jeder mag sich glücklich schätzen, der ihn nicht beheimatet.
Sein Name ist Talpa europaea - der europäische Maulwurf.
Nach dieser ausführlichen Schilderung konnte die reichliche Zugabe von Alkohol Freds Gemüht beruhigen und es wurde noch ein schöner Abend.

Wir suchen ab sofort Verstärkung.Zuverlässige Kraft (m/w) für Hausmeistertätigkeiten gesucht.TreppenhausreinigungDurchfü...
18/02/2017

Wir suchen ab sofort Verstärkung.

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Treppenhausreinigung
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Tel 09151 6306
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014 Die OdysseeWie Butes soll die Aphrodite dich rettenund lass Orpheus die Laier spielensoll dein Schiff segeln gleich ...
23/12/2015

014 Die Odyssee

Wie Butes soll die Aphrodite dich retten
und lass Orpheus die Laier spielen
soll dein Schiff segeln gleich dem der Argonauten
und wie Odysseus sollst du derer widerstehen die dich lockten
dem Rate der Kirke folgend


Sonnige Tage im Frühjahr sind bekanntlich belebend und meldeten mir - Es geht wieder los!
Mit einem Blick, durch die Glasfront hinaus zum Kundenparkplatz und hinüber zur Anliegerstrasse erkannte ich Menschen, die sich im mäßigem Tempo dahinschleppten und dabei lieber nicht gesehen werden mochten. Bewaffnet mit Stöcken und in grellen Farben gewandet. Inlineskater und Radfahrer schwirrten vorbei, gehetzt von Alter und Siechtum dem sie zu entrinnen versuchten.
Und mit dem Frühjahr, dieser Zeit nach Kälte und Eis, kamen auch Kunden.

Die beiden Herren, auf der anderen Seite der Glasfront machten einen seriösen Eindruck. Eilig öffnete ich mein Herz als sie eintraten: "Womit können wir helfen?"
(Ein Kunde hatte mir einmal auf diese Frage geantwortet: "Beim Dachdecken." - naja.)
"Es geht um einen Aufsitzrasenmäher," sagte der eine.
"Aha, wie groß ist den die Fläche?" fragte ich.
"Ein Sportplatz." Yeah! Checkpott!
(Warum mir dieser Begriff immer die Magensäure bis in den Kehlkopf hoch drückt sollte man von einem Spezialisten untersuchen lassen. Wir hatten bei einer Vorführung mal das Mähwerk verloren - nur so am Rande)
Nach mehrmaliger Frage, wo sich der Sportplatz befände und ich mich durchaus der heimischen Dialekte bedienen kann, wurde mir klar: das Ding ist echt weit weg!

Nach einem atemberaubenden und vortrefflichen Monolog meinerseits, über technische Innovationen in unserem Bereich und dass bei einer höhern Investition, eine deutlich höhere Kosteneffizienz gegenüber Personal und Wartung zu erwarten sei, gab es die Konsequenz, dass wir einen Lokaltermin brauchten. Kurz gesagt, ein Vorführer musste her!
Von reiner Zuneigung geprägt, und weil ja auch die Patenschaft für den neu erworbenen Stammhalter noch ausstünde, so versicherte uns unser Außendienstler, sei diese oder jene Maschine die rechte Wahl. Ein Kopfschütteln und gleichzeitiges Zwirbeln mit Daumen und Zeigefinger brachte ihn von diesem verwegenen Pfad ab. Trotz alledem konnten wir einen brauchbaren und vor allem funktionierenden Vorführapparat zugesichert bekommen. Diese Wundermaschine erreichte uns nach wenigen Tagen und der Vorführung stand nichts im Wege.

Angekommen in den mittlerweile leidlich besiedelten Waldlichtungen einer mir kaum heimischen Gegend, erwartete uns ein magerer Haufen Sportaktivisten.
Wie sooft, so mag auch bei manchen dieser da, die Fantasie die Triebfeder gewesen sein, bei seinem Tun und Handeln. Jedoch Gestalt und Natur des jeweiligen verrieten: das Fleisch ist schwach.
Eine übliche kurze Begrüßung leitete das Ritual ein.
"Kännt`s des Ohmahn?" war der zweite Laut des Einen. (Könnt ihr das abmähen?)
Er gab uns den Befehl ans Werk zu gehen. Nachdem uns der allmächtige Maschinistengott die Erlaubnis gegeben hatte die Maschine anspringen zu lassen, gab es für den Vorführmann kein Halten mehr.
Am Spielfeldrand mahnten wir an: "Es steht ziemlich hoch!"
"Wos?" meinte der Zweite. (Was?)
"Das Mähgut." rief der Vorführmann, die Höllenmaschine übertönend.
"Äs Gros?" rief der Erste. (Das Gras?)
"Wos glabt´s warum enk dau hat´s?" rief der Dritte. (Was glaubst du warum du hier bist?)
Der Vorführer mähte weiter. Wir besprachen mit der Vorstandschaft das Für und Wider und man erklärte, dass ja noch ein Teil der Leute fehlen würde, aber noch kommen sollte. Letzthin blieb leider der Platzwart aus.
Nachdem der Vorführmann fertig gemäht hatte, wurde die Sache mangels Beschlussfähigkeit vertagt.
Vertagt, heißt nicht beendet und so begann das Spiel, Wochen später, von neuem.
Leider konnte zu diesem Termin der Vorstand nebst Kassier nicht eintreffen. Daher erfolgte die hervorragende Mähvorführung ohne Vorkommnisse, einzig und allein für den Platzwart. Dieser zeigte allerdings kein Interesse die Maschine selbst bedienen zu wollen. (Im Nachhinein logisch.) Der Abschluss der Vorführung endete, wen wundert's, ebenso wie die Vorangegangene. Leider hatten weder der Erste Vorstand noch der Kassier bei einer der beiden Demonstrationen bis zum Ende anwesend sein können. Aber man würde wohlwollend über die Fähigkeiten der Maschine aussagen. Dies zeitigte ein merkwürdiges Gefühl.
Welch kluger Geist uns allerdings beim dritten mal beiseite stand, vermag niemand zu sagen.
Denn anders als von all den Wechselhaften erwartet, hinterließ der Vorführmann lediglich ein Monogram im ehrwürdigen Spielfeldrasen. Jener Schriftzug glich unserem Firmenlogo auffällig. Gegenwärtig zeigte das Logogramm lediglich bei der Anfahrtsspur eine ketzerische Note. Dann wurde die Vorführung recht frühzeitig abgebrochen.
Entgeisterte Gesichter, eindringliches Bitten das Werk zur Vollendung zu bringen, ließ unser hart gewordenes Herz jedoch nicht erweichen.
Unsere Abreise empfand ich, gleich der des Odysseus, als er die Insel der Sirenen verließ.
Einer Befreiung von Wesen, die ausschließlich ihren Vorteil suchten.
Und gleich dem Odysseus von Ithaka erhielten wir keinen Auftrag.
Aber das Wehklagen klang dem der Sirenen ähnlich.

Beste Grüße
Alexander Rian
Rian-Gartentechnik
http://www.rianshop.de/shop/Aus-dem-Leben-eines-Rasenmaeherverkaeufers

Aus dem Leben eines Rasenmäherverkäufers: 007 Verdauungsprobleme - 009 Grillen - 001 Prolog: Aus dem Leben eines Rasenmäherverkäufers - 012 Zwei Unverschämt

008 Memento moriMemento moriendum esseMemento te hominem esseRespice post te, hominem te esse mementoSei eingedenk, dass...
21/11/2015

008 Memento mori

Memento moriendum esse
Memento te hominem esse
Respice post te, hominem te esse memento

Sei eingedenk, dass du sterben musst.
Sei eingedenk, dass du ein Mensch bist.
Sieh dich um und denke daran, dass auch du nur ein Mensch bist


Grau und trist liegt der Nebel über den Flusswiesen. Das kraftlose Morgenlicht simmert durch die Wolkendecke.
Der Blick durch die gläserne Eingangsfront des Geschäftes erklärt, das der Herbst unangenehm Einzug hält.
Frühzeitig hat uns in diesem Jahr die graue, kaltnasse Jahreszeit eingeholt.
Auch Kunden werden missmutiger und kälter in ihrem Wesen.
Und auch seltener, zu unserem Verdruss.
Fahles Sonnenlicht, versucht vergebens eine morgendliche Stimmung zu erzeugen.

Mallefitz noch eins! Wo bleibt Kundschaft?
Meine Gedanken schweifen ab um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und unbekannte Zivilisationen zu erkunden. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringe ich in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Ich scheine ebenfalls einer zu sein, der einen Laden besitzt, den heute kein Mensch zuvor gesehen hat. Doch dann kommt mir ein Gedanke. Sollte es die Möglichkeit sein? Es wäre zumindest eine Erklärung. Eilig überprüfe ich das Datum. Schade, doch nicht Sonntag.
Eine Epidemie käme auch in Frage. Vielleicht bin ich der letzt gesunde Mensch auf dieser Erde. Der Blick in die Zusammenfassung aller Walking Dead Folgen gibt mir recht. In keiner Folge rückt ein Rasenmäher näher in den Fokus. Alle Indizien sprechen also dafür!

Ein Fahrzeug nähert sich in mäßigem Tempo und zwingt meine Gedanken, über das "Sein oder nicht Sein" in die triviale Gegenwart zurück.
Im Näherkommen des Fahrzeuges erkenne ich die liturgische Kraft des Szenarios.
Es ist ein Zeichen. Symbolträchtig und bedeutungsschwanger.
Unverkennbar nähert sich ein Leichenwagen.

"Sieh hinter dich und bedenke, dass du sterblich bist," wie Recht die Römer hatten.
Nicht das ganze Leben aber ein wesentlicher Teil läuft in meinem Bewusstsein vorbei.
Wieso gerade Charles Dickens "Ebenezer Scrooge" mir so vertraut ins Gedächtnis kommt ist mir ein Rätsel. Sollte es heute sein? Dabei, wollte ich doch noch so vieles...

Zwei dezent gekleidete Herren betreten das Geschäft. Schwarze Anzüge, unbewegte Minen.
Mit einem hörbarem Frosch im Hals, frage ich: "WEN hätten Sie denn gern?"
Der erstere erklärt: "Guten Tag, wir würden gerne unseren Rasenmäher zum Kundendienst bringen."
Es gibt Tage an denen die Verurteilung aufgrund des Gebrauchs von Schusswaffen oder solcherlei Gerätes außer Kraft gesetzt werden muss.
Des Weiteren bin ich neuerdings der Meinung, das Fahrzeuge dieser Art, nur außerhalb der Geschäftszeiten, bewegt werden dürfen.
Der Mäher war seltsamerweise auch recht unbenutzt und hatte keinerlei Fehler - keine sichtbaren Mängel. Er wurde auch von der Belegschaft auffällig gemieden.
Merkwürdig ..

Beste Grüße
Alexander Rian
www.RianShop.de

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19/11/2015

007 Verdauungsprobleme



Schnee liegt in der Luft, in den Tagen um Allerheiligen und es hatte in den höheren Lagen wohl auch schon geschneit.
Und also, lassen die Hilferufe der Kunden nicht lange auf sich warten, welche Probleme haben mit einem Gerät, dass man Schneefräse ruf, dass sie befreit von einer körperlichen Geißel der Menschheit, einem Werkzeug, dass sich über Äonen von Jahren zum Schrecknis der älteren Austragshausbesitzer und Opas ohne Selbstbestimmungsrecht entwickelt hatte: der Schneeschaufel!



Bedauernd und Mitfühlend höre ich so oft die ausgesprochenen Worte, der ach so fürsorglichen Schwiegertochter: "So eine Maschine brauchen wir nicht. Der Opa räumt unseren Hof jeden Morgen gerne vom Schnee frei."

Der freundliche, eher zurückhaltende und ältere Mann im Hintergrund, der in früheren Tagen gut einen Kopf größer war und sicher eine stattliche, aufrechte Körperhaltung besaß, lächelt und ich glaube zu erkennen, dass das Lächeln von im oft verwendet wird um unnütze Diskussionen zu vermeiden.

Alleine die despektierliche Anrede "Opa" kennzeichnet die Verhältnisse in der Familie, da er allenfalls der Schwiegervater und nicht der Opa dieser netten Dame sein konnte.

So geprägt von einer, zu Depressionen führenden Wetterlage, fahre ich hin zu einer bereits verschneiten Höhenlage, in einen Ort, wo Menschen leben die wissen, dass die hereinbrechende dunkle Jahreszeit, über Nacht an ihre Haustüren geklopft hatte. Gevatter Frost regierte nun!



Ein Hünenhafter jüngerer Mann begrüßt mich nach mehrmaligem Klingeln am Hauseingang
des relativ neu erbauten Hauses. Er deutet Richtung Osten und erklärt mir: "Dou kummt nuch mäiä!" (Da wird noch weiterer Schnee kommen!)
Der kalte Ostwind, der uns ins Gesicht bläst, untermauert seine Annahme deutlich.

Der Mann versucht mir nun im Folgenden verständlich zu erklären, welcher Vorfall sich mit seiner Schneefräse zugetragen hatte.



Das Gerät wurde vor nur wenigen (zwei Jahren) angeschafft, um dem Opa, der im alten Haus
hinter dem Neubau noch wohnt, die Arbeit etwas zu erleichtern.

Auf die Frage, ob er selbst denn auch mit dem Gerät arbeite, gab er zur Antwort, dass es an den Wochenenden schon passieren könne. Allerdings sei er beruflich sehr angespannt und hätte neuerdings erst freitags ab dreizehn Uhr Feierabend, so dass vom kurzen Wochenende nichts mehr übrig bliebe. Ich blicke auf die Uhr, Samstag sechzehn Uhr und zwölf Minuten. Es friert mich.

Seit drei Wochen wäre der Opa allerdings im Krankenhaus, sie hätten ihn vor einer Woche auch besucht und er würde uns noch alle überleben.

Der Kern, der Erläuterung bezog sich allerdings auf den Einsatz des Gerätes, welches er
gestern frühmorgens selber aktivieren musste, nachdem es in der Nacht geschneit hatte.

Er wäre nach einigen Anfangsproblemen mit der Maschine vertraut gewesen und fräste so vor sich hin. Urplötzlich tauchte unter dem Schnee ein Kälberstrick auf. Dieser soll ausgesprochen willig von der Fräse aufgenommen und der Ankerwinde eines Schiffes ähnelnd, aufgespult worden sein. Schlussendlich dann, zerrte an dem anderen Ende des Seiles etwas Unentdecktes, dass sich noch unter der Schneedecke verbarg. Als die Maschine und das andere Ende des Seiles sich zueinander ausrichteten und die bestehende Entfernung recht zügig überwunden wurde, stoppte der Bediener geistesgegenwärtig den Antrieb der Maschine, nicht jedoch das Fräswerk. Unvermindert zog es ihn hin und das Ding trat in Erscheinung.

Wie toll schnellte es hervor und stellte sich dem fräsenden Ungetüm.

Sogleich erkannte der Bediener den Holzschlitten davoser Bauart, der zuletzt seinen Kindern recht viel Freude bereitet hatte.

Nur ein Wimpernschlag verging und die Schneefräse hatte sich das wehrlose Spielgerät bis zur Hälfte einverleibt. Selbst die Querstreben seien gefressen worden, berichtet der Mann. Ich kann mir den weiteren Verdauungsvorgang und die Verstoffwechslung über den Auswurfschacht deutlich ausmalen. Mein Blick streift über den Ort des Geschehens und ich erkenne sogleich die verbliebenen Gebeine des Schlittens, die weit verteilt umher liegen.



Wenige Minuten der Sprachlosigkeit später, reißt mich seine Frage bezüglich der Reparaturabwicklung aus meinen Gedanken. Seine logische Konsequenz über die Ausführung in Form eines kostenfreien Garantieantrages, erzeugt bei mir Verwirrung und inniges Unwohlsein. Wie ließe sich ein Zusammenhang zwischen dem Schlitten und mangelhaftem Material oder gar Produktionsfehlern konstruieren?



Meine kurze Einweisung über entsprechende Sicherheitseinrichtungen beende ich beruhigt, da er mir glaubhaft und bildreich eigene Beispiele unbeachteter Unfallverhütungsvorschriften, aus seinem Berufsleben als Metzgermeister in einer Großschlachterei schildert.

Als wir uns ferner gütlich einigen können, dass vergessene, auf dem Schlitten sitzende Kinder, selbst in verschneitem Zustand, sehr wohl auch zu dämmriger Morgenstunde erkannt würden, drängt es mich zum Aufbruch.



Trotz meines Hinweises, dass es einige Tage dauern könnte mit der Reparatur, da offensichtliche Verdauungsprobleme der Schneefräse arg zugesetzt hätten, war er guter Dinge. Man hatte aus dem Krankenhaus signalisiert, das der Opa vollständig restauriert und dieser Tage entlassen würde.

Und, Gott sei dank gäbe es im Haus ja noch eine Schneeschaufeln für ihn.

06/11/2015

006 Die Akademiker

Also sprach der Eine
unumstößlich wie es schein
dass ein Motor, getrieben und elektrifiziert
und anders als der andere, den ein jeder kennt
sich drehet zu beiden Seiten.
so war es, so wird es immer sein.

Also unter uns: Ein Starkstrommotor unterscheidet sich vom Wechselstrommotor fundamental. Der Stecker vom Küchenmixer kann gedreht und gewendet werden - das Gerät läuft immer richtig. Beim Starkstrommotor (bspw. Kreissäge) geht das nicht. Dieser Motor könnte auch in die falsche Richtung drehen. (Steht im Stromlaufplan - ich hasse diese Dinger!) Aber keine Angst. Der Stecker ist "Verdrehsicher". Dennoch muss die Drehrichtung bei Inbetriebnahme geprüft werden. Diese kann nämlich von Hause aus bei jedem anders sein. Hierzu sind in den Steckern "Fasenwender" integriert. Vermittels größerem Schraubenzieher der flachen Art kann dieser gewendet werden. Dreht die Kreissäge falsch herum - Stecker raus. Fasenwender drehen fertig! Viel Spaß beim lesen.

Die Akademiker

Von Zeit zu Zeit fügt es sich , aber eher selten als es oft passiert, dass langjährige Kunden ein persönliches Gespräch provozieren.
Ein mir vertrauter Kunde erzählte mir glaubhaft eine Geschichte, an deren Wahrhaftigkeit ich auf Grund seiner Reputation als Anwalt des Rechtes, keinen Zweifel hege.

Da ich diesen einen Bruder als Kunden hatte, hatte ich auch den Anderen, welcher etwas geringer geschätzt wurde.
Das Übel war, so sprach man im nach, er wäre etwas Naseweis und Selbstgerecht, da er als Ingenieur einen Doktortitel oben drauf besäße.
Sei es drum, ich mag dies nicht entscheiden. Die Geschichte lies sich so anhören:

Als er und sein Bruder noch gut zusammenstanden, beschloss man an einem Spätfrühlingstag, bei stahlblauem Morgenhimmel, endlich etwas Holz zu sägen.
Für die nahe gelegenen Kamingestade, deren Ressourcen über den Winter doch sehr gelitten hatten.
Nämlich, so man fährt im offenen Cabrio übers Land und hört Geräusche dieser Art, so verführen sie zur Nachahmung - zum Holzsägen.
Also, ein Stück kraftvolle Mannestat. Die ehrliche, bodenständige, schweißtreibende, grundsolide Art von der ein Mann zehre und die überschüssige Zeit vertreibe.
Ähnlich wie es die Vorfahren trieben, bei Schäferspielen, dass Leben der einfachen Leute genießen.
Beim Saustechen den wilden Eber mit 500 Treibern erlegen.
Beim Kreuzzuge hoch zu Ross - äh, ja - obwohl so drastisch muss man es nicht treiben.
Kurz - Holzsägen ist in.

Auf wundersame Weise findet sich geeignetes Gerät,
in der Art einer Kreissäge mit Starkstromanschluss, wie man erspäht.
Fluchs wurde sie über Stock und Stein
zu einen Unterstand gebracht, ins Holzhaus hinein.
Da man dem Wetter nicht trauen wollt.
Hat man das Gerät ins Trockene gerollt.

Bleibt nur noch die Gewinnung von entsprechender Energie.
Ein Handstreich nur, mit dem Kabel vom Genie.

Das Problem wurde gelöst, wie es heute Politiker tun.
Das Kabel gezogen, die Blume knickt um.

Der Blick der Hausfrau aus dem Fenster überzeugte sie sehr:
dieses Jahr gibt es keinen Ginster mehr
und auch die Tomaten litten schwer
sowie Gurken und einiges mehr!

Sie entschied sich kurzer Hand,
zur Neuanpflanzung, da rüpelhafte rasant
wie Genossen planierten was sie gesät,
gepflanzt und gegossen doch es war zu spät.

Da die Beiden, die Grenzen der Sterblichkeit nicht ergründen wollten
begab man sich zum nächsten Punkt des Rituals. Auch wenn sie's nicht sollten.

Weiter weg in Ruhe und Frieden.
So frönte man dort legten sie sich hernieden.

Einer Eigenart die jeder kennt und keiner missen möcht.
Der fromme Genuss gibt ihnen nur Recht.
Der Frühstückspause mit allen Ergüssen,
zu Frönen, zu Völlen und nichts zu vermissen.

Der Tisch war voll mit Leckereien
und auch am Alkohol war nichts zu entzweien.
Gehört und bestätigt von niederen Plebejern
war es das erste, um sich dem Volke zu nähern.

Pausen dieser Art sind weit bekannt
und dienen zum Trinken ganz ohne Glanz und Tand.
Wohlgemerkt in mäßigen Maßen.
Ach was soll's - Hinfort mit den Phrasen!

Wohlauf der Tag ist nicht mehr jung,
es muss geschehen man sieht sich um.
Man begibt sich zur rechten Stelle der Tat
und prüft ob alles an seinem Platze verharrt.

Das Werk kann beginnen,
zwei Teufelskerle werden es bezwingen!
Der Vater würde vor Lob zerspringen,
ach, wäre er noch dabei.

Ist es nicht wohl zu leben, in einer Zeit die von Recht gesät
und Akademie geprägt?
Jedoch das Recht steht hinten an
wenn's geht um Kenntnis von Gerät und Mann.
Ich prüft die Maschine und dann!
Dies erklärt der Ingenieur fortan.

Die Maschine läuft verquer.
Was soll ich erzählen noch mehr.
In rechtes deutsch versetzt
verkehr herum läuft sie jetzt!

Nun mag es sein, einen Rechtsgelehrten bringt es an die Grenzen.
Niemals jedoch, einen Ingenieur, mit Doktor und Essenzen.
Habe in der Vergangenheit gewaltiges behandelt!
Nun bändige ich auch dieses Ding wie es unter uns auch wandelt."

Wohl jenem der zur der rechten Zeit den Geistesblitz sein eigen nennt.
Die Beine in die Hände nimmt von beiden schlichtweg weit weg rennt!

Die Idee des Bruders, war nicht dumm
man dreht das Sägeblatt ganz einfach herum.
Es scheint das Problem recht signifikant
Doch hat man den Fehler noch gar nicht erkannt.

Welche Ahnen uns wohl unterstützen
während wir hier redlich schwitzen?
Jetzt ans Werk, der Tag schickt lange Schatten.
Mehr hastig, kommen die ersten Latten.

Da wird das Holz herangeschafft
und kräftig wird es angebracht.
Ein kurzer Blick, man denkt an Kühle
Vergessen soll sein die lange Mühe

In klirrenden Tagen, in denen das Werk
Wärme spendet beim Feuerwerk.
Der Anwalt denkt, ach lebten wir doch im Süden,
so wären unsre Tage nicht weiter im Trüben.

Das erste Scheit wird dem silbrigen Blatt
mit kräftigem Hub in die Nähe gebracht.

Doch es entreißt den Händen des Halters sogleich
und strebt nach oben und sie blicken ganz bleich
wo es im Zenit des Daches umgelenkt,
wieder zurück fällt und das Haupte behängt.

Die denkwürdig schüttere Haartracht des Sägers zerteilt
und eine tiefe Furche in der Selbigen verbleibt,
die dünne Hautschicht aufs gröbste zerfeilt.

Die Geschichten von ehemals gleißender Pracht
von schlagenden Verbindungen
und manch tapfer durchgezechter Nacht,
gaben ihnen Mut und Kraft,
obwohl Körper und Geist mehr oder minder geschafft.

Was der Pfleger, unter glucksendem Lachen
den beiden im Hospital an Wissen und Sachen,
darüber gelehrt - ist der Rede nicht wert.

Es gäbe am Gerät einen Dreher ganz wie ein Mensch ihn gemacht.
Hättet ihr den benutzt kein anderer hätte gelacht.

So aber das Gerät jener Art ist mit Fasen fixiert,
dreht man mittels des Drehers eine Wendung passiert.

So was zu ahnen das scheint noch unmöglich
doch ein Gerät zu bedienen, befleißigt doch redlich

Es heißt das zu kennen, was gleich drauf geschieht,
wenn der Ingenieur freudig in die Arbeit zieht

Also, bewegten sich beide, stützend, untergehackt
dem Hause zu und von Scham und Schmerzen geplagt.

Im kommen, öffnet verwundert die Frau
des Hauses die Tür und fragt ganzgenau

Seit ihr nun fertig mit sägen von Holz
mein Kuchen ist fertig - verkündet sie stolz.

01/11/2015

005 Garantiert Garantie

Im Zaume hallten sollst du dein Gemüt
denn liederlich ist die Stimme voller Zank
soll der Donnerer das seine tun
und Pallas das ihre
Dich soll es nicht rühren
denn wisse Deiner Tage Ruhm ist nah
und dräut der Schelm im Nacken
achte ihn nicht

Das Telefon klingelt (bei uns in Franken schellts aber in der Regel.)

Wir: "Guten Tag, sie wünschen?" Bereits der erste Fehler, dieser Kunde wünschte nicht.
Kunde:"Wir müssen uns ja an sie wenden, da die Herstellerfirma empfohlen hat bei ihnen anzurufen." Früher war dies eine Auszeichnung, heute klingt das wie ein Vorwurf. "Das Mähwerk blockiert und der Rasentraktor stirbt ab."
Wir:"Das Gerät ist neu?"
Kunde:"Gestern gekauft."
Wir:"Haben sie den Fangkorb richtig montiert?"
Kunde:"Garantiert Garantie, das Mähwerk hat sich gefressen, sicher! Ich bin Versicherungskaufmann und kenne mich im technischen Gebiet sehr gut aus."
Wir:"Ah ja, wenn sie uns die Maschine bringen könnten dann ..."
Kunde:"Ich müsste über 50 km fahren!"
Wir:"Nun, gegen eine Gebühr könnten wir auch zu ihnen ..."
Kunde:"Ich komme selbst!"
Wir:"Wenn es keine Garantie ist würden Kosten entstehen. Unsere Bemühungen, sie verstehen sicherlich."
Kunde:"Garantiert Garantie!"

Tage später
Kunde:"Guten Tag, ich bin der mit dem Mähwerk."
Wir:"Oh, wie überraschend, ich hatte nicht damit gerechnet sie hier zu ..."
Kunde:"Ich habe ihnen hier das ausgebaute Mähwerk mitgebracht. Komplett!"
Wir:"Sie haben das Mähwerk ausgebaut?"
Kunde:"Natürlich, wir waren uns ja einig das es am Mähwerk liegt. War ganz einfach."
Wir:"So ganz einig ..."
Kunde:"Sie müssen ja nur mal kurz was einstellen."
Wir:"Sie verstehen sicherlich, aber der Laden ist gerade gut besucht."
Kunde:"Nun, jetzt bin aber ich dran. Es ist nur eine Einstellsache."
Wir:"Wir haben hinten etwa 50 Maschinen stehen, an denen wir nur kurz was einstellen müssten. Die warten auch alle."

Der Kunde wird etwas ungehalten. Eine leise Stimme im hinteren Teil meines Geistes treibt mich an, dass Fass zum Überlaufen zu bringen. Meine Vermutung lässt mich an den Traktor zuhause denken.
Wir:"Na gut, ich sehe mir das gleich mal an."
Wir schreiten von dannen. Auf dem Kundenparkplatz erkennt mein fachmännisches Auge sofort ein Mähwerk auf dem Anhänger. Ich zolle dem Kunden meinen aufrichtigen Respekt. Tadellose Arbeit. Fehlerfreier Ausbau. Keinerlei Abrieb, gute Verarbeitung und die Messerspindeln waren grandios gelagert. Mit einer schwunghaften Drehung versetzte ich die Messer in Bewegung.
Wir:"Alles Top!" rutscht es mir salopp heraus.
Kunde:"Sie müssen das einstellen!"
Wir:"Was denn?"
Kunde:"Das Mähwerk"
Wir:"Was soll ich hier einstellen? Is top!"
Kunde:"Das Mähwerk würgt den Motor ab, da klemmt was, es muss eingestellt werden."
Wir:"Bitte entschuldigen Sie, aber das Ding zum Einstellen steht bei Ihnen zuhause. Ich bezweifle aber grundsätzlich, dass es an einer Einstellung liegt."
Kunde:"Oh, ich bezweifle das nicht. Es liegt einzig an ihrer Einstellung."

Richtig! Laden voller Kunden und einer schreit rum. Is immer ne tolle Sache! Bei den Kettensägen steht schon einer lässig ans Regal gelehnt und genießt die Freikarte. Nicht mit mir! Ich nehme den Druck raus.
Wir:"Hören sie, sind sie einverstanden wenn wir kurz beim Hersteller anrufen? Er kann ihnen bestätigen, dass wir für eine Garantieüberprüfung das Gerät in Gänze benötigen."
Übrigens, seine Gattin (wo war die die ganze Zeit über?) witterte Gefahr. Frauen erkennen solcherlei Dinge. Überlegen und beruhigend legte Sie ihm die Hand auf die Schulter. Kurz darauf übergab ich das Telefon an den Kunden. Wiederum kurz darauf nahm ich das Telefon von ihm entgegen.
Kunde:"Ich komme nochmals vorbei."

Ach, hatte ich vergessen zu erwähnen das die Maschine nicht bei uns gekauft wurde? Dann bitte ich dies zu entschuldigen. Die anderen verweisen gerne an uns. Wir wissen auch nicht warum. Hatte ich nicht bereits zu Beginn auch den Fangkorb erwähnt?

Tage später.
Kunde:"Ich bin wieder da. Mähwerk ist wieder dran."
Wir:"Super! Dann sehen wir uns die Maschine gleich mal an. Ah, ich sehe schon!"
Ohne das Gerät vom Anhänger abzuladen, rezitierte ich über die verschiedenen technischen Einrichtungen. Die Vorrichtung des Fangkorbendschalters, die eine korrekte Montage des Selbigen erfordert, erzeugte rege Verwunderung. Ein einwandfreier Funktionstest nach geringer Korrektur des Korbes und nur 200 km Transportweges, löste eine allgemeine Euphorie aller Beteiligen aus.

Na ja, bei all der Freude über den simplen Fehler hatten wir ganz vergessen eine Rechnung zu stellen.
Ach was soll's, in 50 km Entfernung einen Kunden gewonnen zu haben ist doch auch schon was, oder?

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