18/11/2025
Denkmal #4243 "Bleicherbrunnen" auf der Seite der Stadt Wuppertal:
Beschreibung:
Der Bleicherbrunnen auf dem Wupperfelder Markt ist ein Baudenkmal im Sinne des §2 Denkmalschutzgesetz NRW. Er ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und der Stadt Wuppertal. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht aus wissenschaftlichen hier zeit -orts- und architekturgeschichtlichen sowie künstlerischen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse. Darstellung der wesentlichen charakteristischen Merkmale und Begründung der Denkmaleigenschaft Der Bleicherbrunnen befindet sich im Stadtbezirk Oberbarmen auf der westlichen Seite des heute in der geometrischen Form eines Dreiecks angelegten Wupperfelder Marktes direkt neben der südlich angrenzenden Berliner Str (B7). Dieser Standort den der Brunnen seit 1954 einnimmt hat Sichtachsenbezug aus der nördlichen Wupperfelder Straße und der südlichen Brandströmstraße. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Sandsteinbrunnen mit einem barocken Becken in das vier Delphine aus ihren Wandnischen mit Muschelkonsolen Wasser speien. Vier massive Postamente mit gedrungenen Säulen tragen den darüber angeordneten Beckenverbund der die Kleeblattform / Vierpassform des Hauptbeckens wieder aufnimmt. Mittig darauf platziert setzt sich der Brunnenschaft mit einem weiteren kräftigen Säulenpaar fort das wiederum ein kleineres Becken in runder Form trägt. In dessen Mitte läuft der Schaft als einsäulige Variante aus deren Kapitell als Fußplatte/Plinte der vom renommierten Hildesheimer Bildhauer Friedrich Küsthardt d. Ä. geschaffenen Bleichergestalt dient. Vom Schaftende der obersten Säule aus wird Wasser durch Düsenkränze bzw. in Kaskaden über die oberen Auffangbecken ins Bassin geführt. F. Küsthardt (1830-1900) der als Bildhauer Kunstgewerbler Kunstschriftsteller und Prof. an der Hildesheimer Bauschule wirkte (Bedeutende Arbeiten u.a: Rhiensbrunnendenkmal / Göttingen Grabplatte mit Relieffigur des Hl.Godehard in der Krypta des Hildesheimer Doms Triumpfbalken im Braunschweiger Dom Altar der Ägidienkirche / Hannover) führte auch die Steinmetzarbeiten aus. F. Küsthardts Vorliebe für antikisierende Gestaltung - insbesondere durch eine Vielzahl von Grabskulpturen belegt - fand auch beim Bleicherbrunnen ihren Niederschlag Begründung der Denkmaleigenschaft Der Bleicherbrunnen wurde 1884 auf einem kleinen Platz errichtet der dem eigentlichen Markt - getrennt durch die damals noch schmale Berliner Straße - gegenüber lag (vor dem Haus Berliner Str. 88 etwa an Stelle des Abgangs zur Fußgängerunterführung zum Wupperfelder Markt). Am 21. Mai 1884 übergab der Barmer Stadtverordnete Friedrich von Eynern im Beisein von Oberbürgermeister Wegner Bürgermeister Brodzina mehreren Stadtverordneten und einer großen Menschenmenge den Brunnen der Stadt. In seiner Rede gedachte er der Wupperfelder Bürger die in vorausschauender Verantwortung für die Gemeinde "den Grund zu dem Fonds gelegt hatten aus dem die Kosten des Brunnens bestritten werden konnten". Denn die Gelder - es waren 6000 Mark nötig - flossen aus den überschüssigen Einnahmen die die Vermietung des 1822 als "Wupperfelder Bürgerhaus" erworbenen Gebäudes Wupperfelder Straße 2 eingebracht hatte. Der Brunnen ist also eine Stiftung der Barmer Bürgerschaft. Als am 22. Juni 1883 von der Verwaltung dieses Bürgerhauses der Beschluss zur Errichtung des Brunnens gefasst wurde war Barmen wenige Tage zuvor - am 5. Mai 1883 - an die zentrale Versorgung mit Ruhrwasser durch das Wasserwerk Volmarstein angeschlossen worden. Diese Neuerung sollte ihren sichtbaren Ausdruck in einem prächtigen Brunnen finden. Als Brunnenfigur wählte man die Gestalt des Bleichers um daran zu erinnern daß das 1527 durch Herzog Johann von Berg für 861 Goldgulden erteilte Privileg der Garnnahrung die Grundlage für das Aufblühen der Textilindustrie und damit für das wirtschaftliche Gedeihen des gesamten Wuppertals geschaffen hatte. Den Entwurf des Brunnens besorgte Stadtbaumeister Carl Winchenbach (1839-1925) der Friedrich Küsthardt d.Ä. aus gemeinsamer Zeit in Hildesheim wo er als Eisenbahnbaumeister tätig war kannte. Winchenbach trat als erster Baumeister des Bauamtes Barmen in die Verwaltung der Stadt ein. Bis zu seinem Ruhestand am 1. April 1910 an dem er zum Geheimen Baurat ernannt wurde verlieh seine architektonische Handschrift einen den Stadtteil Barmen bis heute prägenden städtebaulichen Charakter. Nahezu sämtliche Großbauten Barmens die in dieser Zeit errichtet wurden waren entweder sein Werk oder sind unter seiner Leitung entstanden: Badeanstalt Flurstr. Gymnasium Bleicherstr. Schlacht- und Viehhof königliche Baugewerkschule in der Pauluskirchstr. Pauluskirche Gymnasium Sedanstr. - um nur einige zu nennen. Aber auch in anderen Bereichen der Stadtentwicklung leistete er Beständiges; hier sei etwa auf die Erschließung des neuen Wohngebietes Hatzfeld durch die Förderung des Projektes einer neuen Straßenbahnlinie hingewiesen oder auch auf die Planung für das Ringel-Denkmal in den Barmer Anlagen. Der Bleicherbrunnen überstand - zwar durch die Luftangriffe geschädigt - aber in der Substanz relativ unbeschadet den Zweiten Weltkrieg umgeben von Trümmern aber als Mittelpunkt eines kleinen Marktes mit Obst- und Gemüseständen. Erst im Jahre 1954 wurde der Brunnen an seinen heutigen Standort versetzt da er dem geplanten Ausbau der Talstr. (Berliner Str. / B7) im Wege stand. Die Kosten für die Umsetzung übernahm die Eisengießerei Ph. Barthels-Feldhoff anlässlich ihres 125 jährigen Bestehens. Ein Vorfahre der Familie Barthels T. Barthels unterstützte schon 1884 die Errichtung der Brunnenanlage. 1965 wurde der Brunnen an seinem neuen Platz mit einer Grünanlage umgeben. Da der weiche Sandstein des Brunnens unter den Umwelteinflüssen gelitten hatte wurde 1966/67 eine intensive Restaurierung vorgenommen die der Bildhauer Joachim Wolf-Müller ausführte. Anlässlich der 450-Jahrfeier des Privilegs der Garnnahrung im Jahre 1977 überreichte Dr. Salzer Präsident der Industrie- u. Handelskammer Oberbürgermeister Gottfried Gurland zur erneuten Überholung des Bleicherbrunnen in DM den zehnfachen Betrag der 1527 zum Erwerb des Privilegs der Garnnahrung erforderlichen 861 Goldgulden. In der jüngeren Vergangenheit mehrten sich Schäden durch mutwillige Zerstörung. So wurde u.a. der Rand der oberen Brunnenschale abgebrochen sowie ein Stück der rechten Hand des Bleichers abgeschlagen und durch Kunststein ersetzt (1980). Im Frühjahr 1984 beseitigte man erneut grobe Schäden aber bis heute fehlt der obere Teil der "Güte" mit der die Bleicher in weitem Bogen das Wasser über die Garne verteilten deren Griffende gut 40 cm über den Hutrand des Bleichers hinausragte denn bedauerlicher Weise gelang es auch 1990 ff nicht mit den im Rahmen des Gesamtprogrammes zur Wohnumfeldverbesserung für die Umgestaltung des Wupperfelder zur Verfügung stehenden rd. 600.000 - DM eine nachhaltige Sanierung des Brunnens zu betreiben: "Nachdem der Wupperfelder Markt im wesentlichen fertiggestellt ist steht der Bleicherbrunnen in einem sehr schadhaften Zustand ohne Wasserversorgung auf dem Platz. Dies hat zu einer Anzahl von Beschwerden u.a. durch Herrn Bürgermeister Drees die Industrie- und Handelskammer und Anlieger beim Unterzeichner geführt."(Aktenvermerk v.16.09.1990) Bei der Eröffnung der B7 am 2. November 1991erfuhren deren Neugestaltung und die des Wupperfelder Marktes zwar "viel Anerkennung in der Presse und bei der Bevölkerung" aber gleicher Maßen großes "Unverständnis über den schlechten baulichen Zustand des Bleicherbrunnens"(Aktenvermerk v.11.11.1991). Die Unmutsbekundungen zeigten Wirkung so dass es Anfang Januar 1992 den Startschuss für die bislang letzte Restaurierung des Brunnens gab. Die Kosten betrugen rd. 100.000 - DM. Dafür wurde der Brunnen von der Firma Bouillon-Bau aus Dortmund in 39 Einzelteile zerlegt und in Dortmund - im Wesentlichen mit Steinergänzungsmaterialien - fachgerecht saniert. Es wurden dabei sowohl ungeeignete Antragungsmaterialien aus vorausgegangenen Maßnahmen entfernt als auch neue Schäden beseitigt. Am 5. Mai 1992 war der Bleicherbrunnen wieder zusammengesetzt und saniert auf dem Wupperfelder Markt zu finden und am 11. Juli 1992 wurde der Brunnen dann mit einem Fest von Oberbürgermeisterin Ursula Kraus wieder eingeweiht. Die Ergänzung der Güte wurde versäumt. Das beauftragte Unternehmen sah sich zu Recht nicht zu dieser Leistung beauftragt. So endete die bisherige Sanierungsgeschichte nach einigen vergeblichen Versuchen eine Finanzierung zur Ergänzung des Fehlstücks zu bewerkstelligen mit einem Aktenvermerk vom 7. Oktober 1993: Die Verlängerung des Gütestiels ist angesichts der Kosten von 3.280 - DM bei der jetzigen Haushaltssituation nicht vertretbar." Gegenwärtig also 24 Jahre später sind es wiederum Barmer Bürger die "Interessengemeinschaft Berliner Str. e.V." die sich eine neuerliche Gesamtinstandsetzung des Brunnens inklusive seiner Wasserführungstechnik sowie eine angemessene Illumination des Bleicherbrunnens zum Ziel gesetzt haben. Im Interesse der weiteren Erhaltung und sinnvollen Nutzung eines bedeutenden Zeitzeugnisses der Geschichte des Wuppertales ist Ihnen Erfolg zu wünschen. Mit der am heutigen Tage erfolgten förmlichen Eintragung des Bleicherbrunnens als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal wird dem Umstand Rechnung getragen dass der von einer stolzen Bürgerschaft mit einem ausgeprägten historischen Selbstverständnis in einem stadtentwicklungsgeschichtlich höchst bedeutsamen Augenblick initiierte und finanzierte von einem bedeutenden Architekten entworfene und von einem bedeutenden Künstler verwirklichte Brunnen ein Denkmal im Sinne des § 2 DSchG NW ist für dessen Erhaltung und Nutzung wissenschaftliche (insbesondere architektur- und stadtgeschichtliche) künstlerische und städtebauliche Gründe vorliegen. Die Denkmaleigenschaft der Anlage war bereits vor der förmlichen Eintragung in das Bewusstsein der Bevölkerung und das eines breiten Kreises von Sachverständigen eingegangen. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die gesamte Brunnenanlage.