Die Raumakten

Die Raumakten Die Raumakten. Wahre Fälle. Echtes Wissen zu Räumen, Feng Shui und Raumplanung. Klar, verständlich und ohne Esoterik.

„Als Malermeisterin und Feng-Shui-Expertin habe ich meine Leidenschaft für Farben und Handwerk schon früh entdeckt. Es war mir immer wichtig, Räume nicht nur ästhetisch, sondern auch energetisch in Einklang zu bringen. Als ich merkte, dass es kein adäquates Hilfsmittel in Form einer Farbkarte gab, das die Prinzipien des Feng Shui berücksichtigt, entschloss ich mich, selbst aktiv zu werden. 2016 ha

be ich die apprico® COLOURS entwickelt – eine einzigartige Farbpalette, die es jedem ermöglicht, die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser in Balance zu bringen. Meine Arbeit vereint traditionelle Handwerkstechniken mit den Prinzipien der asiatischen Harmonielehre. So entstehen individuelle, harmonische Lebensräume, die weit über das Oberflächliche hinausgehen. Ich bin überzeugt, dass Farbe eines der mächtigsten Gestaltungsmittel ist, um Wohlbefinden und Harmonie zu fördern – und das möchte ich auch anderen zugänglich machen, unabhängig von ihrer Feng-Shui-Erfahrung.

WARUM ANNA SO VIELE FOTOS MACHTBei einem Vor-Ort-Termin macht Anna viele Fotos. Sehr viele.Nicht nur vom ganzen Raum. Si...
11/09/2026

WARUM ANNA SO VIELE FOTOS MACHT

Bei einem Vor-Ort-Termin macht Anna viele Fotos. Sehr viele.

Nicht nur vom ganzen Raum. Sie fotografiert Ecken, Übergänge, Türen, Decken, Wandanschlüsse, Materialien, Blickrichtungen und all die kleinen Details, die während eines Gesprächs schnell untergehen. Innen und außen.

Später geht sie die Bilder noch einmal ganz in Ruhe durch. Raum für Raum. Wand für Wand. Decke für Decke.

Und manchmal kennt sie die Räume danach wahrscheinlich besser als die Kundin oder der Kunde nach zwanzig Jahren. Zumindest behauptet sie das gern.

Der Grund ist ganz einfach: Beim Termin selbst passiert viel gleichzeitig. Man spricht, läuft durch die Räume, schaut Pläne an, stellt Fragen, entdeckt Dinge. Auf den Fotos kann Anna später noch einmal zurückgehen und prüfen, was wirklich da ist und wie alles zusammenhängt.

Gerade bei der Auswertung sind diese Bilder wichtig. Sie helfen, Übergänge zu erkennen, Proportionen besser einzuschätzen und Lösungen so zu entwickeln, dass sie zum vorhandenen Raum passen.

Und sie haben noch einen zweiten Wert: Sie zeigen später, wo die Planung angefangen hat.

Wenn Anna ein Ansichtsscribble entwickelt oder eine neue Raumlösung zeichnet, lässt sich mit den Vorher-Fotos viel besser nachvollziehen, was verändert wurde und warum. Aus einem unscheinbaren Übergang, einer überladenen Wand oder einem wenig genutzten Bereich entsteht dann Schritt für Schritt eine neue Lösung.

Vorher-Fotos sind deshalb für Anna kein Nebending.

Sie sind ein Teil der Planung.

Und manchmal eben auch der Beweis dafür, dass man einen Raum erst richtig kennenlernt, wenn man ihn sich noch einmal ganz genau anschaut.

09/09/2026
Raumakte Nr. 6 MOTORRAD, ROUTE 66 UND FENG SHUI. Als Anna auf den Hof fuhr, dachte sie zuerst, sie sei falsch. Vor ihr s...
07/09/2026

Raumakte Nr. 6

MOTORRAD, ROUTE 66 UND FENG SHUI.

Als Anna auf den Hof fuhr, dachte sie zuerst, sie sei falsch. Vor ihr stand eine lange dunkle Halle aus Metall. Große Tore, Maschinen, Spezialanhänger in verschiedenen Baustufen. Eindeutig Betrieb. Micha hatte sie gerufen, weil sie beim Nachbarn gearbeitet hatte und er mitbekommen hatte, wie zufrieden die dort mit ihrer Arbeit waren. „Ich will das bei mir jetzt auch einmal richtig machen“, hatte er am Telefon gesagt.

Micha kam ihr entgegen. Fünfzig, längere Haare, tätowierte Arme, Jeans, schwarzes T-Shirt. „Du warst doch bei meinem Nachbarn.“ „Ja.“ „Die sind ziemlich begeistert.“ Er grinste. „Deswegen bist Du jetzt hier.“

Er führte sie durch die Halle, vorbei an alten Maschinen, Werkbänken und halbfertigen Anhängern. Sein Büro lag ebenfalls hier. An einer Tür blieb Micha stehen. „Da geht’s direkt zu mir.“ „Zu Dir heißt?“ „Nach Hause.“ Zwei Schritte später stand Anna in seinem privaten Bereich. Zusätzlich gab es eine eigene Haustür von außen. Eben noch Metallbau, dann Wohnzimmer.

Auf rund fünfzig Quadratmetern lagen Küche, Wohnen, Schlafen und Bad dicht beieinander. Schwarz, Rot, dunkles Holz, Motorräder, Route 66 und Erinnerungsstücke bestimmten die Räume. Nichts davon wirkte wie gekaufte Biker-Dekoration. An den Dingen hingen Geschichten. Anna blieb vor einem bemalten Motorradtank stehen. „Der bleibt“, sagte Micha sofort. „Ich habe noch gar nichts gesagt.“ „Aber gedacht.“ „Ich habe gedacht, dass der ziemlich viel Platz braucht.“ „Der bleibt.“ Anna sah ihn an. „Micha, ich bin seit ungefähr sieben Minuten hier.“ „Dann sind wir uns ja früh einig.“

Im Schlafzimmer wurde es noch dichter: viel Rot und Schwarz, große Flaggen über dem Bett, Muster und Bilder. Im Bad stand neben Dusche, WC und Waschbecken eine Hantelbank. „Trainierst Du im Bad?“ „Wo sonst?“ „Mir würden spontan ein paar Alternativen einfallen.“ „Deswegen hab ich Dich doch geholt.“ Er wollte Veränderung, nur kein Zuhause, das anschließend nichts mehr mit ihm zu tun hatte. „Ich will’s angenehmer. Aber nicht beige, hellgrau und drei Kissen auf dem Sofa.“ Anna musste lachen. „Keine Sorge. Du bleibst schon Du.“

Draußen wirkte seine Haustür in der dunklen Metallfassade fast wie ein weiterer Betriebszugang. Daneben ein kleines Gartenstück mit Tisch, zwei Stühlen, Wildwuchs und wenigen Metern bis zum Zaun. „Dein Garten?“ „So ungefähr.“ Anna sah sich um. „Sehr ungefähr.“ „Ich hab nie behauptet, dass ich Gärtner bin.“

Der eigentliche Grund für ihren Besuch lag über ihnen. Micha hatte aufgestockt. Oben war noch Baustelle, aber zum ersten Mal gab es Platz. „Hier soll mein Schlafzimmer hin. Da hinten die Ankleide.“ Anna blieb stehen. „Eine Ankleide?“ „Sag jetzt nichts.“ „Ich wollte nur sagen, dass ich beeindruckt bin.“ „Ja, ja.“ Sie ging weiter. „Und das Bad?“ „Bleibt unten.“ „Warum?“ „Ist doch eins da.“ Anna antwortete nicht. Sie trat an die offene Seite und sah auf das flache Dach der Werkstatt. „Wem gehört die Fläche?“ „Mir.“ „Sehr gut.“ „Warum?“

Anna zeigte hinaus. „Weil Du da eine Terrasse hinbekommst.“ Micha sah auf das Dach. „Das wäre schon ziemlich geil.“ „Dachte ich mir.“ „Jetzt wird’s teuer mit Dir.“ „Wir sind noch nicht bei der Küche.“

Am Abend lagen Michas Grundrisse, Notizen und viele Fotos auf Annas Tisch. Rot, Schwarz und die Erinnerungsstücke sprangen ihr zuerst ins Auge. Aber je länger sie alles nebeneinanderlegte, desto weniger hielt sie das für das eigentliche Problem.

Sie blieb bei zwei Bildern hängen. Auf dem einen die Tür aus der Werkstatt direkt ins Wohnen, auf dem anderen die Haustür, die kaum als privater Eingang erkennbar war. Dazu vier Funktionen auf fünfzig Quadratmetern und eine neue Etage, die bisher nur als größeres Schlafzimmer gedacht war.

Da war die Spur.

Micha brauchte keinen anderen Stil. Ihm fehlten Übergänge: zwischen Arbeit und Privat, draußen und drinnen, aktivem Alltag und Rückzug. Wenn sie die Aufstockung nur mit Bett und Schrank füllten, würden sie viel bauen und das eigentliche Problem mit nach oben nehmen.

Ein paar Tage später saßen Anna und Micha am alten Tisch in seinem kleinen Gartenstück, wenige Meter vor dem Zaun, mit Blick auf die Baustelle. Anna legte Grundrisse, Scribbles und das iPad auf den Tisch. Micha stellte zwei Bierflaschen dazu. „Ist das Teil der Besprechung?“ „Bei mir schon.“ Anna nahm eine. Es sollte das einzige Mal bleiben, dass sie bei einer Auswertung sofort ein Bier serviert bekam. „Gut. Dann schieß ich mal los.“

„Unten bleibt Dein aktives Leben. Küche, Wohnen, WC und Training. Oben entstehen Schlafzimmer, Ankleide und Bad.“ Micha hob den Kopf. „Bad auch?“ „Natürlich.“ „Unten ist doch eins.“ „Unten ist ein Bad, in dem Deine Hantelbank steht.“ „Die stört mich nicht.“ „Mich schon.“ Er lachte. „Wenn Du oben schon neu baust, gehst Du zum Duschen nicht wieder nach unten. Die Dusche unten kommt raus, das WC bleibt abgetrennt und der Rest wird Dein Trainingsbereich.“ Micha sah auf den Grundriss. „Das ist eigentlich ziemlich gut.“ „Ich weiß.“ „Bescheiden bist Du auch.“ „Sehr.“

Anna schob ihm das Scribble vom Eingang hin: klarer Vorplatz, großes Vordach, Holz als warmer Gegenpol zur Metallfassade, robuste Pflanzen und gutes Licht. „Die Halle darf aussehen wie Halle. Aber Deine Haustür muss nicht aussehen wie Tor Nummer vier.“ Direkt dahinter plante sie eine Garderobe. „Jacke, Schuhe, Schlüssel. Im Moment bist Du beim Reinkommen sofort mitten im Wohnen.“ Micha nickte. „Okay. Das leuchtet mir ein.“

Bei der Küche ging es schneller. Eine großzügige Küche mit Theke und Barhockern ersetzte ein Esszimmer. Daneben eine Couch, in die man sich wirklich fallen lassen konnte. „Fernsehen?“ „Sogar das.“ Dazu Arbeitslicht in der Küche, Licht an der Theke, indirekte Beleuchtung im Wohnbereich, Stufenlicht an der Treppe sowie warmes Licht am Eingang und auf der Terrasse.

Dann öffnete Anna auf dem iPad das Foto vom Tank. „Der bleibt“, sagte Micha. „Du bist erstaunlich berechenbar.“ „Gut.“ „Er bleibt aber nicht da.“ „Wo dann?“ „In der Werkstatt. Nicht irgendwo abgestellt. Drei oder vier besondere Stücke bekommen dort eine kleine Ausstellung: der Tank, etwas von der Route 66, vielleicht ein Foto aus Deiner früheren Rockerzeit.“ Micha sah länger auf das Bild. Dann erzählte er von Touren, der Route 66, seiner Rockergruppe und den Menschen, die mit diesen Dingen verbunden waren.

Anna hörte zu. Jetzt wusste sie auch, welche Stücke bleiben mussten.

Es ging nicht darum, Michas Vergangenheit wegzuräumen. Aber sie musste nicht mehr in jedem Raum gleichzeitig stehen.

Einige Erinnerungen blieben im Wohnbereich, die großen Stücke bekamen in der Werkstatt mehr Wirkung.

„Und die Farben?“ „Schwarz bleibt.“ Micha grinste. „Sehr gut.“ „Rot nicht.“ Das Grinsen verschwand. „Gar nicht?“ „Keine roten Wände mehr. Gerade oben nicht.“ „Warum?“ Anna zeigte auf das Schlafzimmerfoto. „Rot ist sehr aktiv, und davon hast Du hier reichlich. Für einen Schlafraum ist mir das sowieso zu viel. Bei Dir kommt noch etwas dazu. Dein Trigramm-Element ist Holz. Schwarz gehört zum Wasser und Wasser unterstützt Holz. Rot gehört zum Feuer. Zu viel davon zieht Dir eher Energie ab, statt Dich zu unterstützen.“ „Und Schwarz darf deshalb bleiben?“ „Ja. Aber gezielt. Dazu ruhige warme Erdfarb-Töne, Leder und Stoffe.“

Oben und unten plante Anna denselben markanten Holzboden, die Treppe passend dazu und einzelne Schiebetüren aus Altholz. „Die Türen sind geil.“ „Zwei vielleicht.“ „Warum nur zwei?“ „Weil Du sonst am Ende in einer Biker-Kneipe wohnst.“ Micha lachte. „Okay. Zwei.“ Dann sah er hinauf zur Baustelle. „Und die Terrasse?“ „Machen wir.“

Als Anna einige Zeit später wiederkam, sah sie den Unterschied schon vor der Haustür. Die Metallfassade war dieselbe, doch Vorplatz, Vordach, Pflanzen und warmes Licht machten klar, wo der Betrieb aufhörte, und sein Zuhause begann. Drinnen verschwanden Jacken und Schuhe in der Garderobe. Die Küche mit Theke war zum Mittelpunkt geworden, daneben die große Couch. Im ehemaligen Bad war die Dusche verschwunden, das WC abgetrennt und für die Trainingsgeräte endlich Platz.

In der Werkstatt zeigte Micha ihr den neuen Schrank mit den Glastüren. Der bemalte Tank stand darin, dazu einige wenige Erinnerungsstücke. „Sieht besser aus als vorher“, sagte er. Anna sah ihn an. „Das halte ich fest.“

Oben war es ruhiger, ohne beliebig zu wirken. Schwarz und Anthrazit waren geblieben, die roten Wände verschwunden. Schlafzimmer, Ankleide und Bad bildeten einen eigenen privaten Bereich. Durch die ging es auf die Terrasse über dem Werkstattdach.

Micha blieb in der Ankleide stehen. „Übrigens“, sagte er, „das Ding ist ziemlich praktisch.“

Anna grinste. „Sag ich nicht weiter.“

Micha war nicht weniger Micha geworden. Motorräder, Route 66 und Schwarz waren noch da. Aber sein Zuhause musste nicht mehr gleichzeitig Werkstatt, Erinnerungsraum, Fitnessbereich und Schlafzimmer sein.

Zum ersten Mal hatte die Werkstatt ihren Platz.

Und Micha auch.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem: Michas Privatleben spielte sich auf rund 50 m² direkt neben seiner Werkstatt ab. Wohnen, Schlafen, Bad, Training und Erinnerungsstücke lagen dicht beieinander.

Auffällig: Arbeit und Privatleben gingen fast ohne Übergang ineinander über. Dazu kamen viel Schwarz und sehr große rote Flächen, besonders im Schlafzimmer. Das Schwarz passte zu Micha und konnte bleiben, dass viele Rot brachte dagegen zu viel Aktivität in die Räume und war auch aus seiner persönlichen Feng-Shui-Auswertung nicht die beste Wahl.

Lösung: Im Obergeschoss entstand ein privater Bereich mit Schlafzimmer, Ankleide, Bad und Terrasse. Unten blieben Küche mit Theke, Wohnen, WC und Training. Der Eingang bekam einen klaren Vorplatz, Garderobe und gezielte Beleuchtung. Rot wurde deutlich reduziert, Schwarz bewusst erhalten und mit ruhigeren Farben und Materialien kombiniert. Besondere Erinnerungsstücke bekamen in der Werkstatt ihre eigene kleine Ausstellung.

Ergebnis: Micha wohnt weiterhin unverkennbar wie Micha. Nur ruhiger, klarer gegliedert und mit einer deutlichen Trennung zwischen Betrieb und Zuhause.

Raumakte No 6. Morgen.
06/09/2026

Raumakte No 6. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINMara Stein |  Maler- und LackierermeisterinAnna kennt Mara schon seit vielen Jahren. Mara ist ...
04/09/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Mara Stein | Maler- und Lackierermeisterin

Anna kennt Mara schon seit vielen Jahren. Mara ist Maler- und Lackierermeisterin und führt einen eigenen Betrieb mit 15 Mitarbeitern. Beide kommen aus dem Handwerk, beide kennen Baustellen, Untergründe, Farben und all die kleinen Dinge, an denen eine gute Idee in der Praxis scheitern kann.

Vielleicht verstehen sie sich gerade deshalb so gut. Anna muss Mara nicht lange erklären, warum ihr ein Farbton, ein Anschluss oder eine saubere Ausführung wichtig ist. Und Mara sagt genauso klar, wenn sie bei einer Umsetzung etwas anders machen würde.

Sie arbeiten nicht nach dem Prinzip: Anna denkt sich etwas aus und Mara setzt es einfach um. Viel öfter ist es ein fachlicher Austausch auf Augenhöhe. Anna bringt ihre Raumplanung und das Feng Shui mit hinein, Mara ihre Erfahrung aus dem eigenen Malerbetrieb. Und beide haben genug Handwerk im Blut, um ziemlich schnell zu merken, wenn etwas in der Praxis nicht funktioniert.

Mara arbeitet gern mit den apprico COLOURS® und kennt die Farbtöne aus vielen Projekten. Auch bei Timos neuem Schlafzimmer war sie mit ihrem Team dabei. Der helle Erdton war Teil von Annas Planung und wurde von Mara umgesetzt.

Genau solche Menschen braucht Anna in ihrem Netzwerk. Nicht zum Abnicken, sondern zum Mitdenken, Nachfragen und guten Umsetzen.

Raumakte Nr. 5 DER 30-JÄHRIGE IM KINDERZIMMERAls Timos Mutter Anna anrief, begann sie das Gespräch mit einem Satz, den A...
31/08/2026

Raumakte Nr. 5

DER 30-JÄHRIGE IM KINDERZIMMER

Als Timos Mutter Anna anrief, begann sie das Gespräch mit einem Satz, den Anna in ähnlicher Form schon öfter gehört hatte. „Eigentlich haben wir gar kein richtiges Problem.“ Ihr Sohn Timo sei dreißig, berufstätig und nach der Trennung von seiner Freundin wieder bei ihnen eingezogen. Nur für ein paar Monate, bis er eine neue Wohnung gefunden hätte. Das war inzwischen drei Jahre her.

Streit gab es deshalb nicht. Im Gegenteil. Timo verstand sich gut mit seinen Eltern, arbeitete als Mediengestalter überwiegend im Homeoffice, hatte Freunde und verdiente sein eigenes Geld. Trotzdem hatte seine Mutter zunehmend das Gefühl, dass sich seit seiner Rückkehr nichts mehr bewegte.

„Er sagt immer, dass er natürlich wieder ausziehen will. Aber er sucht keine Wohnung. Seine Freunde trifft er nur außerhalb und eine Frau bringt er schon gar nicht mit nach Hause. Manchmal denke ich, wir machen es ihm einfach zu bequem.“

Anna stellte nur eine Frage. „Weiß Timo, dass Sie mich anrufen?“ Das wusste er. Begeistert war er von einer Feng-Shui-Beratung für sein altes Kinderzimmer nicht, aber er hatte zugestimmt.

Als Anna einige Tage später vor dem Einfamilienhaus stand, öffnete ihr Timos Mutter. Hinter ihr kam ein Mann aus der Küche und stellte sich als Peter vor. „Ich bin der Vater und vermutlich derjenige, der Ihnen gleich sagt, dass meine Frau sich zu viele Gedanken macht.“ Seine Frau sah ihn an. „Ach, wirklich?“ Peter grinste. „Ich habe nicht gesagt, dass Du Unrecht hast.“

Wenig später kam Timo die Treppe herunter. Dreißig, Jeans, helles T-Shirt, Brille und Lederjacke. Ein völlig normaler junger Mann, bei dem niemand auf den ersten Blick vermutet hätte, warum seine Mutter Anna gerufen hatte.

„Sie sind also Anna.“ „Und Sie sind Timo.“ „Meine Mutter glaubt, dass mein Zimmer schuld daran ist, dass ich noch hier wohne.“

„Das glaube ich nicht.“

Er sah sie überrascht an. „Dann sind wir ja schon zu zweit.“

„Ein Raum ist selten schuld. Aber er kann einen Zustand ziemlich lange unterstützen.“ Timo grinste. „Und welchen unterstützt meiner?“ „Zeigen Sie ihn mir.“

Schon vor der Tür war klar, welches Zimmer seines war. Sein Name klebte noch daran, darunter ein Aufkleber seines früheren Fußballvereins. Das Zimmer war ungefähr vierzehn Quadratmeter groß und erstaunlich ordentlich.

Ein schmales Bett stand an der Wand, darüber hingen Fußballposter. Im Regal standen Pokale, alte Spiele und ein Klassenfoto. Gegenüber stand ein Kiefernholzschrank. „Den habe ich bekommen, als ich zwölf war“, sagte Timo.

Anna sah sich um. „Und seitdem hat sich hier nicht viel verändert.“ „Der Computer.“ „Ich rede nicht vom Computer.“

Der Arbeitsplatz wirkte wie aus einem anderen Leben in das Zimmer gestellt. Zwei große Bildschirme, Kopfhörer, Festplatten und ein guter Bürostuhl zeigten, dass hier längst kein Schüler mehr saß. „Dann arbeiten, schlafen und leben Sie hier.“ „Im Prinzip schon.“

Anna sah sich noch einmal um. „Und Freunde?“ „Treffe ich draußen oder bei denen.“ „Hier kommt niemand her?“ Er schüttelte den Kopf. Wann zuletzt ein Freund in diesem Zimmer gewesen war, wusste Timo nicht mehr genau. Vor seinem 1. Auszug wahrscheinlich.

„Und wenn Sie eine Frau kennenlernen?“ Timo verzog das Gesicht. „Was soll ich sagen? Komm mit zu mir, aber sei leise auf der Treppe, meine Eltern schlafen schon? Und übrigens, den Schrank habe ich seit der sechsten Klasse?“ „Sie erzählen also nicht gern, dass Sie hier wohnen.“ „Nicht unbedingt beim ersten Treffen.“ „Und beim zweiten?“ Er zuckte mit den Schultern. „Irgendwann muss ich es ja sagen.“

Anna blickte auf den einzigen Stuhl im Zimmer. „Und wenn Sie Besuch hätten, wo sollte der sitzen?“ Timo deutete auf das Bett. „Da.“ Anna nickte. „Hier ist nicht einmal Platz für einen zweiten Menschen.“ Timo setzte sich aufs Bett. „Ich wollte ja auch nie so lange bleiben.“

Nach der Trennung mit 27 war er froh gewesen, wieder nach Hause zu können. Ein paar Monate, dann wollte er sich eine Wohnung suchen. „Es war bequem“, sagte er. „Und irgendwann wurde es mir peinlich. Je länger ich hier war, desto größer wurde der Schritt, wieder auszuziehen.“ In der Tür erschien Peter.

„Er kann hier wohnen, solange er uns braucht. Das war nie die Frage. Aber ich glaube, er braucht uns schon eine ganze Weile nicht mehr.“

Timo sah seinen Vater an. „Das hast Du noch nie gesagt.“ „Du hast nie gefragt.“

Seine Mutter kam dazu. „Wir wollten Dich nach der Trennung nicht unter Druck setzen.“ Anna nickte. „Das war damals auch richtig. Aber die Situation von damals gibt es heute nicht mehr.“

Neben Timos Zimmer lag ein zweiter Raum, der einmal als Gästezimmer gedacht gewesen war. Inzwischen standen dort Koffer, Kartons, Wäscheständer, Bügelbrett und alles, was gerade keinen besseren Platz hatte. Seine Eltern waren ohnehin dabei, auszumisten und das Obergeschoss neu zu ordnen.

„Was würden Sie mit diesem Zimmer machen, wenn es leer wäre?“, fragte Anna seine Mutter. „Ein Nähzimmer“, sagte sie spontan. Timo drehte sich zu ihr. „Du willst ein Nähzimmer?“ „Schon seit Jahren.“ „Warum hast Du das nie gesagt?“ „Du warst doch wieder da.“

Peter sah seinen Sohn an. „Nicht nur Du hast hier drei Jahre lang nichts verändert.“ Diesmal sagte Timo nichts.

Anna blieb einen Moment in der Tür stehen und sah zurück in Timos Kinderzimmer. Eigentlich lag die Lösung direkt vor ihnen.

„Ich würde Ihnen vorübergehend beide Räume geben“, sagte sie.
Drei überraschte Gesichter sahen sie an.

„Aber nicht, damit Sie es sich hier für die nächsten drei Jahre noch gemütlicher machen“, sagte Anna. „Wir richten hier auch nicht zwei neue Zimmer für Sie ein. Wir planen jetzt schon die spätere Nutzung und Sie ziehen für die Übergangszeit ein.“

Timos bisheriges Kinderzimmer sollte später das Gästezimmer seiner Eltern werden. Deshalb wählte Anna die Ausstattung auch nicht speziell für Timo aus. Ein 1,40 Meter breites Boxspringbett, ein neuer Kleiderschrank, Teppich, weiße transparente Gardinen und ein warmer, neutraler Erdton sollten dauerhaft bleiben. Nur das farbige Bild, das Timo liebte und das bisher im Nebenraum zwischengelagert war, machte den Raum für die nächste Zeit zu seinem Schlafzimmer.

Auch das vollgestellte Nebenzimmer wurde von Anfang an als späteres Nähzimmer geplant. Timo nutzte es zunächst als Arbeitszimmer. Deshalb bekam der Schreibtisch für ihn die richtige Position mit Blick zur Tür und geschütztem Rücken, während Arbeitstisch, Beleuchtung, geschlossener Stauraum und glatter Boden bereits so gewählt wurden, dass seine Mutter den Raum später ohne erneuten Umbau übernehmen konnte.

Hinter ihm entstand eine ruhige Fläche für Videokonferenzen, dazu kamen eine gute Arbeitsplatzbeleuchtung und geschlossener Stauraum. Auf einen Teppich verzichtete Anna bewusst. Fäden, Stoffreste und heruntergefallene Nadeln ließen sich auf einem glatten Boden leichter finden und beseitigen.

Der große Arbeitstisch, die Beleuchtung und der Stauraum konnten später genauso für die Näherei genutzt werden. Auch hier empfahl Anna denselben neutralen Erdton. Farbe würde mit Stoffen und Garnen von allein hineinkommen.

„Und was nehme ich dann eigentlich mit, wenn ich ausziehe?“, fragte Timo. „Ihre Kleidung, Ihre persönlichen Sachen und das ganze Computer-Gedöns.“ Er hob eine Augenbraue. „Computer-Gedöns?“ Anna grinste. „Ich darf das.“ Peter lachte. „Endlich sagt es mal jemand.“

„Alles andere bleibt hier und wird weiter genutzt“, sagte Anna. „Wir richten doch nicht zweimal ein.“

Mara Stein, die Malermeisterin aus Annas Netzwerk, übernahm die Malerarbeiten. Als die Räume fertig waren, war vom alten Kinderzimmer kaum noch etwas zu erkennen. Über dem Bett hing jetzt Timos Bild. Es war eigentlich schon das zukünftige Gästezimmer seiner Eltern und trotzdem fühlte es sich für Timo zum ersten Mal wie sein eigenes erwachsenes Schlafzimmer an.

Einige Wochen später meldete sich Timo bei Anna. „Ich muss Ihnen etwas sagen. Ich schlafe in dem neuen Zimmer so gut wie seit Jahren nicht mehr.“ „Das freut mich.“ „Es ist aber nicht nur das Schlafen. Ich fühle mich da wirklich wohl. Irgendwie anders als vorher.“

Anna lächelte. „Das war der Plan.“ „Ja. Und deswegen habe ich jetzt ein Problem.“ „Welches?“ „Ich habe Ihnen offenbar zu gut zugehört.“

Timo hatte inzwischen eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Aussicht. Bevor er etwas unterschrieb oder Möbel kaufte, wollte er Anna dabeihaben. „Ich möchte zuerst wissen, ob die Wohnung überhaupt zu mir passt. Und wenn sie passt, möchte ich, dass Sie mein Schlafzimmer und mein Arbeitszimmer analysieren und optimieren.“

Er grinste. „Beim Schreibtisch weiß ich inzwischen immerhin schon, dass ich nicht wieder mit dem Rücken zur Tür sitzen werde.“

„Sie haben tatsächlich zugehört.“

„Offenbar.“ Timo sah sich in seinem neuen Schlafzimmer um. „Wenn ich schon neu anfange, möchte ich es diesmal richtig machen.“

Im Hintergrund hörte Anna seine Mutter: „Und frag Frau Falk wegen meines Nähzimmers!“

Timo lachte. „Sie hören es. Hier wartet schon die Nächste.“

Bald würde Timo nur seine Kleidung, seine persönlichen Dinge, sein Bild und sein Computer-Gedöns einpacken. Alles andere konnte bleiben und weiter genutzt werden.

Und seine Mutter würde endlich ihr Nähzimmer bekommen.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem
Timo ist nach einer Trennung mit 27 vorübergehend zu seinen Eltern zurückgezogen. Drei Jahre später lebt und arbeitet er noch immer in seinem alten Kinderzimmer. Freunde trifft er nur außerhalb, neue Partnerinnen bringt er nicht mit nach Hause.

Auffällig
Sein 14 m² großes Zimmer hat sich seit seiner Jugend kaum verändert. Kinderzimmer und moderner Arbeitsplatz treffen unmittelbar aufeinander. Schlafen, Arbeiten und Rückzug finden im selben Raum statt, während das Nebenzimmer hauptsächlich als Abstellraum genutzt wird.

Lösung
Timo bekommt vorübergehend beide Räume. Sein Kinderzimmer wird zum erwachsenen Schlafzimmer und späteren Gästezimmer mit 1,40-m-Boxspringbett, neuem Kleiderschrank, Teppich, transparenten Gardinen und einem warmen, neutralen Erdton. Das Nebenzimmer wird sein Arbeitszimmer mit Blick zur Tür, geschütztem Rücken, guter Beleuchtung und Stauraum. Später wird daraus das Nähzimmer seiner Mutter.

Ergebnis
Timo schläft deutlich besser und fühlt sich in seinem neuen Schlafzimmer richtig wohl. Wenige Wochen später hat er eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Aussicht. Bevor er unterschreibt, möchte er von Anna prüfen lassen, ob die Wohnung zu ihm passt und anschließend Schlaf- und Arbeitszimmer analysieren und optimieren lassen. Seine Mutter kann sich schon auf ihr künftiges Nähzimmer freuen.

Raumakte Nr. 5. Morgen.
30/08/2026

Raumakte Nr. 5. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINMartin Brenner | Elektrotechnikermeister Anna kennt Martin von gemeinsamen Baustellen. Er ist ...
28/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Martin Brenner | Elektrotechnikermeister

Anna kennt Martin von gemeinsamen Baustellen. Er ist Elektrotechnikermeister mit eigenem Betrieb und inzwischen jemand, mit dem sie besonders gern zusammenarbeitet.

Was sie an ihm schätzt: Er versteht schnell, was sie mit einer Idee erreichen möchte, und findet dafür eine technisch saubere Lösung. Gerade bei Licht ist das oft entscheidend, weil zwischen einer Vorstellung im Kopf und einer wirklich guten Umsetzung auf der Baustelle doch einiges liegt.

Anna ist immer wieder fasziniert, wie selbstverständlich Martin ihre Ideen aufgreift und in eine funktionierende Lösung übersetzt. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern präzise und passend zum Raum.

Bei Raumakte Nr. 4 war das besonders wichtig. Der neue Behandlungsraum im Untergeschoss brauchte nicht einfach mehr Licht, sondern die richtige Lichtplanung. Tageslicht durch die Kellerfenster, eine ruhige Grundbeleuchtung, gutes Arbeitslicht und gezielt eingesetzte Leuchten, die dem Raum eine angenehme Stimmung geben.

Vor allem aber ging es auch um die Beleuchtung des großen Naturbildes. Denn dieses Bild war nicht bloß Dekoration, sondern ein wichtiger Teil des ganzen Raumkonzepts. Es sollte den fehlenden Blick ins Grüne auffangen, Tiefe in den Raum bringen und genau die Ruhe ausstrahlen, die Claudia für ihre Arbeit braucht. Damit das funktioniert, musste auch das Licht darauf abgestimmt sein.

Genau deshalb ist Martin einer der Menschen, die Anna gern dabeihat, wenn aus einer Planung Realität wird.

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